;
 
 
 

 

 




warum wir forschen

Akute Atemwegsinfektionen (ARI) sind weltweit von großer Bedeutung für die Gesundheitssysteme. In Entwicklungsländern haben sie den höchsten Anteil an der Kindersterblichkeit. Im Jahre 1994 wurde die Zahl der Todesfälle durch ARI für Kinder unter 5 Jahren auf 4,3 Millionen geschätzt (das entspricht einer Inzidenz von 90 pro 1000).


In Deutschland stellen Todesfälle durch akute Atemwegsinfektionen eher eine Ausnahme dar. Betroffen sind dann meist Patienten mit schweren Grundkrankheiten. Akute Atemwegsinfektionen verursachen auch bei uns eine hohe Zahl von Krankheitsfällen (hohe Morbidität!). Zudem bedürfen fortgeschrittene Atemwegsinfektionen im Kindesalter einer Behandlung, die von der klinischen Überwachung (Pulsoximeter) über die Gabe von Sauerstoff bis hin zur maschinellen Beatmung gehen kann. Auch wenn bei uns Todesfälle durch ARI eine geringere Rolle spielen als in industriell unterentwickelten Ländern, so sind sie wegen der hohen Zahl der durch sie verursachten Krankheitsfälle für unsere Bevölkerung und unser Gesundheitssystem durchaus von großer Bedeutung (siehe ARI-„Eisberg“).

....................................................................................................ARI-Eisberg
Der überwiegende Anteil (ca. 90%) jener Proben, die das PID-ARI.net untersucht, wird von Kindern gewonnen, die aufgrund einer akuten Atemwegsinfektion im Krankenhaus aufgenommen wurden. Hospitalisierung, als realistisches Maß für schwere ARI im Kindesalter in Deutschland, sind sowohl einschneidend für das Kind und die Familie, als auch gesundheitsökonomisch bedeutend hinsichtlich des medizinischen Aufwands und der Kosten. Auch im ambulanten Bereich ist die Belastung unseres Gesundheitswesens durch ARI beträchtlich; 20 bis 25% der Besuche beim Kinderarzt und 7 bis 10% derjenigen beim Allgemeinarzt sind durch ARI bedingt. Da die ARI-Krankheitsbilder bezüglich ihrer Ätiologie relativ unspezifisch sind (je jünger die Kinder um so unspezifischer), führt dies zu einem hohen Verbrauch an Antibiotika für meist viral bedingte Erkrankungen mit all seinen brisanten Folgen für die Prävalenz an Resistenz gegen Antibiotika.

Zudem ist es wichtig und gesundheitspolitisch relevant, einzelne Erreger genauer zu erforschen. So wurde in den letzten Jahren bei Kindern bis zum Schulalter zunehmend über Spätfolgen nach Hospitalisierung wegen RSV-positiver, tiefer Atemwegsinfektionen berichtet; insbesondere über eine Beeinträchtigung der Lungenfunktion mit Asthma-Neigung. In weiteren Studien variierten die Befunde von einer schon nach der Rekonvaleszenz unauffälligen Lungenfunktion über mittelfristige Einbußen bis zu den vorgenannten langfristigen Veränderungen. Deutsche Kinder, die nicht hospitalisiert waren, erlebten nach RSV-Infektion keine häufigere allergische Sensibilisierung. Daten über langfristige Effekte weiterer häufiger ARI-Erreger liegen kaum vor. Sie sind jedoch notwendig für einen rationalen Versorgungsplan und die Einschätzung des Wertes von Präventionsmaßnahmen, speziell Impfungen.

literatur:
Weigl J et al. Virale Atemwegsinfektionen mit saisonaler Häufung bei Kindern. Eine Übersicht mit Schwerpunkt auf Daten aus Deutschland. Bundesgesundheitsblatt 2003; 46: 9-19




© 2004 C.U.Meyer