Der Name steht für “Pediatric Infectious Diseases Network
on Acute Respiratory Tract Infections”. Das heißt pädiatrisch-infektiologisches
Netzwerk zu akuten Atemwegsinfektionen bei Kindern.
PID-ARI.net nahm im Jahre 1999 seine
Arbeit auf. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung über
den Projektträger DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
e.V.) im Rahmen der sogenannten Forschungsverbünde gefördert. Epidemiologische
Surveillance und Forschung werden in PID-ARI.net eng verknüpft. Seine
Basis sind drei "Epidemiologische
Rekrutierungssysteme" (ERS),
Gebiete in Deutschland, in denen epidemiologische Untersuchungen nach Raum
und Zeit (longitudinal) durchgeführt werden: in Schleswig-Holstein mit
Schwerpunkt Kiel (Nord), in Mainz (Mitte) und in Freiburg (Süd).
methodik
hintergrund
Die Anzahl der Atemwegserreger ist
sehr groß. So gibt es z.B. über 100 Arten von Rhinoviren und 42
Arten von Adenoviren, von denen mehrere ARI verursachen können. Allein
anhand des klinischen Bildes kann ein Arzt nicht sicher unterscheiden,
ob ein Virus oder ein Bakterium eine Infektion verursacht hat (siehe
Grafik rechts). Dieses diagnostische Dilemma trägt zu einem hohen
Konsum an Antibiotika bei. Tiefe ARI (unterhalb
der Stimmritze) kombiniert mit jungem Alter und/oder einer Grundkrankheit
führen zu dem Segment der Population, das überwiegend hospitalisiert
werden muss. Klassische Krankheitsbilder sind die Laryngo-tracheo-bronchitis
(LTB), die Bronchitis, die Bronchiolitis oder obstruktive Bronchitis und die
Pneumonie, mit oder ohne bronchiale Obstruktion. Die Krankheitsbilder überlappen
und die Begriffsfassung ist von Ort zu Ort und Land zu Land uneinheitlich.
Dies erschwert systematische Untersuchungen erheblich.
PID-ARI.net besteht aus einem Überwachungssystem (Surveillance) und mehreren
Spezialprojekten, die jeweils an den Standorten mit besonderer Kompetenz und
Arbeitsschwerpunkten durchgeführt werden (siehe Übersicht)
.
erhebungsräume (ERS)
PID-ARI.net rekrutiert in den entsprechenden Zentren (siehe Kooperationspartner)
Kinder unter 16 Jahre, die an einer akuten, tiefen Atemwegsinfektion erkrankten.
Das ERS hat eine horizontale
Komponente (Nord nach Süd) und vertikale Komponente: Insgesamt 3 Universitätskliniken,
3 städtische Kinderkliniken und derzeit 8 Praxen rekrutieren Kinder. In
den Praxen werden weniger schwer verlaufende Erkrankungen untersucht. Der ÖGD
ist nur im Rahmen so genannter Spezialprojekte eingebunden
und nicht in die Surveillance.
Je Standort wird die pädiatrische Population (bis 16. Lebensjahr) einer
jeweiligen Gesamtbevölkerung von ca. 500.000 Menschen mit diesem System
erfasst; insgesamt 1,5 Millionen oder 2% der deutschen Bevölkerung. Dies
beinhaltet eine Geburtenkohorte von ca. 15.000 pro Jahr. Da v.a. bei den hospitalisierten
Patienten eher jüngere Patienten erfasst werden, sind Kinder unter 5 Jahren
stärker repräsentiert.
grunddiagnostik
Im Rahmen der Surveillance wird Nasopharyngealsekret der Patienten nach Kiel,
zur zentralen Diagnostik im Mikrobiologischen Labor der Pädiatrische
Infektiologie der Klinik für Allgemeine Pädiatrie geschickt (siehe Übersicht).
Hier werden die Proben mittels multiplex-RT-PCR-Verfahren
untersucht. Das Verfahren umfasst jeweils die Probenaufarbeitung, eine reverse
Transkription (RT), eine Polymerase-Kettenreaktion (PCR), sowie die Analyse
und Spezifizierung der Amplifikate auf dem Agarosegel und mittels PCR-ELISA
(Hybridisierung).
Als im Jahr 1996 die ursprüngliche, 9-valente Methode entwickelt wurde,
hatte das Labor in Kiel 200 bis 300 Proben zu untersuchen. Der Erregernachweis
erfolgte mit dieser Methode bis Ende September 2002. Zwischen Oktober 2002
und April 2003 kam eine auf 16 Erreger erweitertes Verfahren zur Anwendung.
Heute werden im Rahmen von PID-ARI.net ca. 3.000 Proben pro Jahr auf insgesamt
19 Erreger getestet. Es handelt sich ausschließlich um nicht kolonisierende
Erreger (siehe Tabelle).
Da konventionelle bakterielle Erreger mit dieser Methode nicht erfasst werden,
bleibt im Einzelfall offen, inwieweit eine virale-bakterielle Koinfektion vorliegen
könnte.
Nachgewiesen werden hoch konservierte Bereiche des Genoms der einzelnen Erreger.
Damit das Verfahren für den Nachweis möglichst vieler Erreger auch
bei größerem Probenaufkommen praktikabel ist, werden die Primerpaare,
welche diese Bereiche der 19 Erreger erkennen, in zwei parallelen Ansätzen
unter identischen Reaktionsbedingungen durchgeführt.
Bei dieser Vielzahl an Primern müssen die optimalen Temperaturen, bei
denen die verschiedenen Primer arbeiten, möglichst eng beieinander liegen.
Außerdem gilt es, gegenseitige Wechselwirkungen und Behinderungen der
Primer untereinander zu minimieren, sowie die zum Nachweis aller Erreger optimalen
Reaktionsbedingungen zu finden. Weiterhin ist es notwendig, die vervielfältigten
Abschnitte des Genoms zusätzlich mit Erreger-spezifischen Sonden zu differenzieren.
web&warn-system
Ziel des Web&Warn-Systems ist es, handlungsrelevante Information unmittelbar
zur Verfügung zu stellen. Es ist für praktische Ärzte hilfreich
zu wissen, welche Erreger zur Zeit Saison haben und welche nicht. Ebenso sollten
teure Interventionsmaßnahmen, wie z.B. die passive Immunisierung gegen
RSV mit monoklonalen Antikörpern, epidemiesynchron durchgeführt werden.
Um dies zu erreichen, gehen die Daten aus der Grunddiagnostik in eine zentrale
Labordatenbank ein. Diese ermöglicht das schnelle, wöchentliche Umsetzen
der Daten in Information. Allerdings kann es durch Feiertage, Nachtestungen,
späten Eingang der Proben u. a. dazu kommen, dass erst mit Verzögerung
die absolute Anzahl der Vorwoche vorliegt. Die Zuordnung zur entsprechenden
Kalenderwoche erfolgt über das Entnahmedatum der Probe. Die für die Ärzteschaft
und public health Entscheidungen unmittelbar wichtigen Daten werden im Web&Warn-System über
das Internet mit wöchentlicher Aktualität zugänglich gemacht.
Die Wochenübersicht zeigt die letzten 5 Kalenderwochen und die jeweilige
Vergleichswoche des Vorjahres. Daraus ist ersichtlich, ob ein Ausbruch eines
Erregers zeitlich verschoben ist. Die kumulativen Daten werden entsprechend
dem epidemiologischen Jahr (1. Juli bis 30. Juni des Folgejahres) für
die entsprechenden Vergleichszeiträume der letzten 4 Jahre dargestellt.
Die Regionalübersicht stellt die Daten nach den 3 geographischen Regionen
stratifiziert dar, ebenfalls kumulativ und nach Kalenderwoche. Die Jahresübersicht
zeigt Daten aus den Vorjahren bis 1999. Die Kommentare schildern einen kurzen
Hintergrund zu den einzelnen Erregern, schildern Vorhersagen zu eventuellen
jahreszeitlichen Ausbrüchen und den Ist-Zustand.