mikrobiologie
und diagnostik
Das Spektrum der Erreger von ARI ist sehr weit. Die diagnostischen Bemühungen
sollten deshalb mehrere Erreger simultan erfassen. Nur bei einer geplanten Intervention
gegen einen bestimmten Erreger sind Einzelverfahren sinnvoll. Für systematische
Untersuchungen sind sie aber unzureichend, denn Interaktionen mit anderen Erregern
können nicht abgeschätzt werden. Deshalb haben wir uns für Multiplex-Ansätze
entschieden. Als Ausgangsmaterial dient das Nasopharyngealsekret (NPS). Das NPS
ist die geeignetste Probenart für den Nachweis von viralen Atemwegserregern.
Es sollten nur Erreger in die Methode eingeschlossen werden, die die oberen Atemwege
nicht kolonisieren bzw. dort persistieren. Deshalb bleiben auch hier die konventionellen
Erreger eine nicht erfaßte Größe.
Prinzipiell kommen direkte und indirekte (serologische) Nachweisverfahren in
Frage. Für die Akutdiagnostik ist aber immer ein Direktnachweis vorzuziehen.
Die Serologie kann mittels IgM oder Titerbewegungen von IgG in gepaarten Serumproben
einen Nachweis erbringen, ist aber im ersten Fall nicht immer spezifisch und
im zweiten Fall zeitraubend, so daß die Antikörperbestimmung ihre
Domäne v.a. in der Seroepidemiologie hat.
Zum direkten Erregernachweis kommen Immunfluoreszenz, Antigen-ELISA, Viruskultur
und molekularbiologische Verfahren in Betracht. Die alleinige Durchführung
einer direkten Immunfluoreszenz mit Hilfe von monoklonalen Antikörpern hat
sich nur für RSV in einigen Zentren durchgesetzt. Ansonsten wird sie heutzutage
nur in Synopsis mit dem Ergebnis der Viruskultur verwendet, oder zum frühen
Nachweis einer Virusvermehrung in der Zellkultur.
Für die meisten Atemwegsviren gilt die Zellkultur als Goldstandard. Mehrere
Zelllinien (A549, MDCK, PMK, HEL, Hep2, LLC-MK2 u.a.) kommen zur Anwendung; und
falls sie parallel mit einer Probe beimpft werden, haben Zellkulturen aufgrund überlappender
Suszeptibilität für verschiedene Viren den Vorteil eines „screening-Effektes“.
Ein genereller Nachteil ist, daß zum Nachweis in Zellkulturen vermehrungsfähige
Viren erforderlich sind. Dies bedingt einen besonderen Aufwand für Transportmedien
und Logistik. Die Kultivierungszeit konnte in den letzten Jahren für viele
Erreger deutlich reduziert werden. Ungeeignet für eine zeitnahe Diagnose
ist die Zellkultur für Rhinoviren und vermutlich auch für das neu entdeckte
humane Metapneumovirus (hMPV).
molekularbiologische verfahren
NASBA (nucleic acid sequence based amplification) ist eine isotherme Amplifikations-technik
v.a. für RNA-Zielsequenzen. Die LCR (ligase chain reaction) kommt nur bei
M. tuberculosis und C. trachomatis zur Anwendung. Am häufigsten wird die
PCR (polymerase chain reaction) verwendet. Wird eine reverse Transkription von
RNA vorweg durchgeführt, kann das Verfahren für RNA und DNA-Zielsequenzen
verwendet werden. Schnelle Verfahren mit einer online-Detektion, wie sie z.B.
mit dem Lightcycler, dem TaqMan oder dem i-Cycler durchgeführt werden können,
erlauben einen Erregernachweis innerhalb weniger Stunden. Nachteil dieser Techniken
ist, daß der simultane Nachweis einer größeren Anzahl von Erregern
derzeit noch nicht möglich ist. Für limitierte Untersuchungen, bei
denen es um die Geschwindigkeit geht, sind diese Verfahren zwar überlegen,
aber Instrumentarium und Reagenzien bisher jedoch sehr teuer.
Für systematische Untersuchungen bezüglich eines größeren
Erregerspektrums werden im
Projekt PID-ARI.Net Multiplex-PCR-Ansätze favorisiert. Diese erlauben
zu kostengünstigen Bedingungen in einem Ansatz derzeit bereits bis zu 19
Erreger zu erfassen (Entwicklung im Labor Kiel). Dem Problem des ARI-Eisberges,
auch in Bezug auf die gewichtete Vielzahl an Erregern, tragen Multiplex-Ansätze
am besten Rechnung.
Der generelle Vorteil bei diesen Verfahren ist, daß sie kein vermehrungsfähiges
Virus, sondern nur Nukleinsäuren als Grundlage benötigen. Der entscheidende
Nachteil aber ist, daß aufgrund der genetischen Variabilität (Antigendrift)
bei allen Atemwegsviren, nicht nur bei Influenza-Viren, es zu sogenannten diagnostischen
escape-Mutanten kommen kann. Mutationen in den Primerbindungsorten oder der Bindungsstelle
der Detektionssonde sind meist die Ursache.
ELISAs kommen v.a. in Form des Antigen-ELISA und v.a. in Schnelltesten zur Anwendung.
Mehrere Teste für RSV, Influenza A und B sind auf dem Markt. Ihre Sensitivität
und Spezifität ist im Vergleich zu den molekularvirologischen Verfahren
deutlich schlechter (Sensitivität ca. 40-60%, Spezifität 80% [Zambon
2002]), so daß diese Tests für eine Diagnostik außerhalb der
jährlichen Epidemie untauglich sind. Befunde in der Übergangsphase
zur Epidemie sollten in jedem Falle durch ein zweites, unabhängiges Verfahren überprüft
werden, bis feststeht, daß die Epidemie tatsächlich begonnen hat.
Ein akkurates Testverfahren ist insbesondere auch für Entscheidungen zu
einer riskanten Therapie vonnöten.
literatur
Zambon, M. The use of molecular methods for diagnosis and surveillance of respiratory
viruses. Abstract S308. Programm 12th European Congress of Clinical Microbiology
and Infectious Diseases, Mailand, 24.-27.04.2002, 49.
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