Keuchhusten bei Erwachsenen

Entgegen der immer noch verbreiteten Meinung handelt es sich bei Keuchhusten (Synonym: Pertussis) nicht ausschließlich um eine „Kinderkrankheit“. Auch Erwachsene sind oft mit dem Bakteri-um Bordetella pertussis infiziert. Die Krankheit verläuft in dieser Altersgruppe aber „atypisch“ und wird daher meist nicht diagnostiziert. Infizierte tragen jedoch zur Verbreitung des Erregers und zur Infektion ungeschützter Kinder bei, so dass sie auf jeden Fall behandelt werden sollten. Bei jedem andauernden Husten unbekannter Ursache muss auch an Keuchhusten gedacht werden. Wie schwierig die Diagnose mitunter ist, zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie, in der Erwachsene mit Husten untersucht wurden. In 61 % der Fälle, die sich später als Pertussis herausstellten, er-kannte der Arzt die Krankheit zuerst nicht, obwohl er nach „typischen“ Symptomen gesucht hatte.

Nur in seltenen Fällen verläuft Keuchhusten bei Erwachsenen in seinen typischen drei Stadien (Schleimhautentzündungen – anfallartiger Husten mit Schleimauswurf – abklingender Husten). Meist ist lediglich ein hartnäckiger Husten charakteristisch, der dann zu Luftnot und Muskel-schmerzen im Brust-Bauchbereich führt; auch Rippen- oder Leistenbrüche als Folge des starken Hustens kommen vor. Als Komplikationen infektiöser Natur sind besonders Lungen- und Mittelohrentzündung zu nennen. Da also die klinischen Symptome sehr unspezifisch sind, muss die Diagnose beim Erwachsenen im Verdachtsfall über einen Antikörpernachweis erfolgen. Liegen die Titer deutlich über dem Schwellenwert einer (gesunden) Kontrollgruppe, kann von einer Pertussis aus-gegangen werden. Anders als beim Kind ist der direkte Erregernachweis bei Erwachsenen nicht möglich.

Zu begegnen ist der Ausbreitung von Keuchhusten in erster Linie durch konsequentes Impfen. Dadurch konnte beispielsweise in der ehemaligen DDR, wo Durchimpfungsraten von über 90 % ereicht wurden, die Inzidenz für Keuchhusten auf 0,1 pro 100.000 Einwohner im Jahr gesenkt wer-den. Wichtig scheint dabei jedoch die regelmäßige Auffrischung der Impfung zu sein. Denn auch wer Keuchhusten schon hatte, ist nach spätestens 20 Jahren wieder für Bordetella pertussis empfänglich. In einer deutschen Studie gaben 26 % der erwachsenen Keuchhustenpatienten an, als Kind bereits Pertussis gehabt zu haben. Und eine amerikanische Untersuchung legt eine Inzidenz für Keuchhusten bei Erwachsenen von bis zu 4 pro 1000 Einwohnern nahe. Übertragen auf Deutschland wäre hier mit bis zu 400.000 Pertussis-Fällen pro Jahr zu rechnen.

Zur Behandlung von Keuchhusten ist das Antibiotikum Erythromycin das Mittel der Wahl. Es sollte zwei Wochen eingenommen werden, wobei es keine Linderung für den Patienten bringt, aber die Ansteckungsfähigkeit auf wenige Tage verkürzt. Hat der Kranke Kontakt zu ungeschützten Perso-nen, sollten diese vorbeugend ebenfalls 7 bis14 Tage mit Erythromycin behandelt werden. Da-durch wird die Infektionskette unterbrochen. Die erfolgversprechendste Maßnahme zur Eindäm-mung von Pertussis ist jedoch die aktive Immunisierung. Gängige Praxis sind dazu drei Impfungen im ersten sowie eine Auffrischung im zweiten Lebensjahr. Auf Grund der zeitlich eingeschränkten Impfwirkung, empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) seit Januar 2000 nun eine weitere, fünfte Impfdosis, die im Alter zwischen 9 und 17 Jahren gegeben werden sollte. In diesem Alter treten die meisten Pertussis-Fälle auf. Verlässliche Daten zur Morbidität von Keuchhusten bei Erwachsenen liegen für Deutschland noch nicht vor. Dementsprechend gibt es auch keine Impfempfehlung für diese Altersgruppe. Jeder Bundesbürger kann sich aber auf eige-nen Wunsch und auf eigene Kosten eine Pertussis-Impfung verabreichen lassen. - ERD