Hohe Hospitalisierungsraten bei Kindern mit Influenza in HongkongIn westlichen Ländern treten Influenza- und RSV- Epidemien häufig zeitgleich auf. Daher ist es schwierig, die Zahl der durch Influenza bedingten Krankenhausaufenthalte bei Kindern abzuschätzen – zumindest solange keine Erreger-Diagnostik durchgeführt wird. Dagegen verlaufen beide Epidemien in Hongkong nicht immer synchron. Die Hospitalisierungsraten wegen akuter Atemwegsinfektionen lassen sich dort also durchaus beurteilen, eben in den Jahren nicht zeitgleichen Auftretens der beiden Krankheiten.
In einer retrospektiven Studie über drei Jahre (1997-1999) konnte nun gezeigt werden, dass in Hongkong zwischen 5 und 8% aller pädiatrischen Krankenhaustage allein durch Influenza bedingt waren. Während der Grippeepidemie in Hongkong mussten bis zu 2,8% aller Säuglinge (jünger als ein Jahr) wegen Influenza stationär behandelt werden. Von den Kindern zwischen 1 und 2 Jahren wurden 2,2%, von den 2- bis 5-Jährigen 1,3% und von den 5- bis 10-Jährigen 0,6% ins Krankenhaus eingewiesen. Dabei hatten nur 3% der aufgenommenen Kinder eine Grunderkrankung, die zu einem schweren Influenzaverlauf prädisponiert.
Die in dieser Untersuchung ermittelten Werte für stationäre Aufnahmen aufgrund von Influenza liegen deutlich über denjenigen, die für Risikopatienten in den USA publiziert wurden. Und auch für Deutschland werden deutlich geringere Zahlen erwartet. Als Ursachen für den schwereren Verlauf einer Influenza in Hongkong kommen die höhere Bevölkerungsdichte, aber auch die stärkere Luftverschmutzung sowie das tropische Klima in Betracht. Diese hohen Hospitalisierungsraten selbst bei gesunden Kindern könnten in Hongkong Anlass für eine Impfempfehlung im Kindesalter sein.
12.02.03 F. Schaaff
Quelle: New England Journal of Medicine 2002; 347 (26): 2097-2103