Unwissenheit führt zu unnötigen Arztbesuchen

Banale Erkältungskrankheiten führen Jahr für Jahr zu Millionen von überflüssigen Arztbesuchen von Erwachsenen und Kindern. Neben erheblichen Behandlungskosten kommt es auch zu unnötigen Verschreibungen von Antibiotika. Eine amerikanische Studie belegt nun, dass daran vielfach auch die Fehleinschätzung von Eltern bezüglich Ursache und Therapie von „Erkältungen“ beteiligt ist.

Anhand von Fragebögen wurde bei insgesamt 261 Familien mit mindestens einem Kind zwischen sechs Monaten und sechs Jahren das Arzt-/Notarzt-Besuchsverhalten bei Erkältungskrankheiten ihrer Kinder erfasst. Zusätzlich wurden Einschätzungen zu Ursachen und Therapie der Erkältungen erfragt.

Immerhin 93% aller Eltern wussten korrekterweise, dass Viren die Ursache für Erkältungen sind. Dennoch machten 66% der Eltern gleichzeitig auch Bakterien dafür verantwortlich. Zudem glaubten 69% an so genannte Volksweisheiten, wie barfuß gehen, falsche Kleidung, Wetterwechsel usw. als Grund für die Erkrankung. Was die Therapie angeht, denkt mehr als die Hälfte der Eltern, dass der Einsatz von Antibiotika für eine Heilung notwendig ist und mehr als 20% glauben, dass diese sogar prophylaktisch wirksam sind.

Berechnet man unabhängige Faktoren zur Vorhersage, was zur Inanspruchnahme von Ärzten/Notärzten führt, so steht der Irrglaube „Antibiotika sind zur Therapie von Erkältungen erforderlich“ an erster Stelle. Ebenso spielen das Alter der Eltern sowie vorausgegangene obstruktive Episoden des Kindes eine Rolle. Weitere Einflussfaktoren sind ein niedriger sozioökonomischer Status, der Glaube an Volksweisheiten und auch die Überzeugung, Bakterien verursachen Erkältungen.

Aufklärungsarbeit zu Ursache und Therapie von Erkältungskrankheiten scheint daher ein wesentlicher Ansatzpunkt zu sein, um unnötige Arztbesuche und den nicht gerechtfertigten Einsatz von Antibiotika bei Erkältungen einzuschränken.

21.02.03 F. Schaaff

Quelle: Pediatrics (2003); 111 (2): 231 – 236