Schweres Akutes Atemwegs-Syndrom (SARS)

Forscher stehen immer noch vor einem Rätsel. Mehr als 1800 Fälle und 62 Tote sind innerhalb weniger Wochen aus mittlerweile 15 Ländern gemeldet worden, berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 1.04.03. Und jeden Tag kommen neue Fälle hinzu. Die meisten Patienten leben im asiatischen Raum (Hongkong, China, Vietnam, Taiwan), aber auch in Kanada gibt es schon sechs Tote. Jetzt ist in Italien der erste Fall aufgetreten. In Deutschland sind bislang fünf Fälle gemeldet worden, von denen sich lediglich einer bestätigen ließ. Der 72jährige Mann hatte sich auf einer Asien-Reise infiziert und wird nun in der Lungenfachklinik von Hemer behandelt.

Unterdessen läuft die Erforschung des Erregers auf Hochtouren. Möglicherweise handelt es sich um ein neues Virus aus der Familie der Coronaviren. Sie sind als Auslöser von Atemwegsinfektionen beim Menschen bekannt, infizieren aber auch viele Säugetiere und Vögel. So liegt der Ursprung der Krankheit vermutlich in der chinesischen Provinz Guangdong, wo auch wildlebende Tiere gern als Delikatessen verspeist werden. Schon im November 2002 traten dort die ersten Fälle auf. Allerdings ist noch nicht klar, ob wirklich nur ein Erreger für die Krankheit verantwortlich ist. Möglicherweise sind mehrere Erreger beteiligt, z. B. auch Paramyxoviren, zu denen auch das Masern-Virus gehört. Diese Viren sind hoch ansteckend, was zu der rapiden Ausbreitung von SARS passt. Und die Tatsache, dass sich bisher mehr als 50% der Ärzte und des Pflegepersonals von SARS-Patienten angesteckt haben, spricht ebenfalls für die hohe Infektiosität des Virus.

Die Übertragung erfolgt wahrscheinlich durch Tröpfcheninfektion, möglicherweise aber auch ohne engen Kontakt durch die Luft. Die Inkubationszeit der Krankheit beträgt nach bisherigem Kenntnisstand 5 bis 9 Tage. Sie beginnt mit Fieber, Unwohlsein, Schwindel sowie Muskel- und Kopfschmerzen. Nach 3 bis 7 Tagen beginnen die Lungensymptome mit Husten und Atemnot. Etwa jeder sechste Patient muss künstlich beatmet werden und zirka 3,5% der Kranken sterben. Ein speziell gegen das Virus gerichtetes Medikament steht derzeit nicht zur Verfügung. Die Behandlung mit Steroiden und die intravenöse Gabe von Ribavirin haben sich jedoch als hilfreich erwiesen. Besonders nach Ribavirin hatten sich etwa 90% der Patienten innerhalb von einer Woche wieder erholt.

Fazit: Keine Panik. In Deutschland ist bisher nur ein Fall von SARS bestätigt worden. Im Vergleich dazu sterben jedes Jahr 10.000 bis 30.000 Personen in Deutschland an Influenza und Pneumokokken – beides impfpräventable Krankheiten.
Falls es jedoch zu einer Ausbreitung der Krankheit SARS kommt, wird die Bevölkerung informiert und die Behörden werden entsprechende Schutzmaßnahmen veranlassen. So ist in Kanada beispielsweise bereits medizinisches Personal auf den Flughäfen in Toronto und Vancouver im Einsatz, um verdächtige Passagiere zu erkennen (Lancet 2003; 361: 1106). In Hongkong wurden Schulen und Kindergärten geschlossen und in Wohnbezirken, die als Erregerreservoir vermutet werden, wurde eine Ausgangssperre verhängt (WHO vom 31.03.03).

2.04.03 ERD



* Rechtliche Hinweise