Asthma: Ursachen und Therapien auf dem Prüfstand

Übersichtsartikel

(Fortsetzung)

Rund 20% aller Kinder leiden mehr oder weniger schwer unter Asthma. Den Anfang macht typischerweise eine Virusinfektion der Atemwege im Kleinkindesalter, die wiederum eine Entzündung der unteren Atemwege nach sich zieht. Konsequenz ist gelegentlich eine Bronchiolitis, die häufig eine stationäre Behandlung erfordert. Obwohl sich die Mehrzahl aller Kinder in den ersten beiden Lebensjahren mit RSV infiziert, sind nur bei etwa einem Fünftel die unteren Atemwege mit betroffen. Bei 25% bis 50% der Kinder mit RSV-Bronchiolitis lösen nachfolgende virale Infekte der Atemwege wiederholt akutes Asthma aus. Die meisten Kinder werden im Laufe der Pubertät symptomfrei. Eine kleine Gruppe erlebt auch im Erwachsenenalter episodisches Asthma. Wenige entwickeln chronisches Asthma.

Viel Gewicht gibt Weinberger der prospektiven Langzeitstudie von Phelan et al. (J Allergy Clin Immunol 2002; 109:189-94), die 1963 in Australien ca. 30.000 Kinder im Alter von 7 Jahren erfasste. Vier Gruppen bestehend aus je rund 70 bis 100 Kindern mit Asthma unterschiedlicher Ausprägung sowie eine Kontrollgruppe wurden über 35 Jahre weiter beobachtet. Erneut untersucht wurde im Alter von 14, 21, 28, 35 und 42 Jahren. Insgesamt litten 20% der 7-Jährigen unter Asthma. Meist handelte es sich jedoch nur um Episoden ausgelöst durch virale Atemwegsinfektionen. Einem Großteil der betroffenen Kinder in der australischen Langzeitstudie ging es mit zunehmendem Alter besser. Aber eine kleine Gruppe litt auch im Erwachsenenalter wiederholt unter Asthma-Anfällen. Gewöhnlich wurden diese durch körperliche Anstrengung oder virusbedingte Atemwegsinfektionen ausgelöst. Bleibendes Asthma entwickelte sich nur bei wenigen. Obwohl, so betont Weinberger, keines der Kinder nach heutigen Maßstäben eine adäquate Therapie erhalten hatte. Trotz dieser unzureichenden Behandlung verschlechterte sich die Einsekundenkapazität nicht. Bei Kindern, die nur episodisch unter Asthma litten, blieb sie normal, bei Kindern mit schwerem, anhaltendem Asthma blieb sie gleichbleibend gering. Entscheidend für die Prognose ist seiner Ansicht nach das klinische Muster des Asthma. Kinder, die auch ohne Atemwegsinfektion Asthmasymptome zeigten, litten mit größerer Wahrscheinlichkeit auch im Erwachsenenalter unter episodischen Asthma-Anfällen oder unter chronischem Asthma. Empfehlenswert ist auch die anschließende Diskussion zwischen Doull, Gern, Hendeles, Lemanske und Weinberger.

HTR 30.06.2003



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