Stillen schützt vor Asthma

(Fortsetzung)

Im Studiendesign legen Oddy et al. großen Wert darauf, Art und Dauer des „Stillens“ genau zu definieren. Ebenso unterscheiden sie zwischen Erkrankungen bzw. Infektionen der oberen und der unteren Atemwege und ob letztere von Giemen begleitet werden. Andere Faktoren, die Einfluss auf die untersuchte Morbidität haben könnten, wurden berücksichtigt.

Definitionen
Die Autoren sprechen von „überwiegendem“ Stillen, wenn zusätzlich Wasser oder stark wasserhaltige Flüssigkeiten gegeben werden. Es endet, wenn andere Milch (zu)gefüttert wird. Mit „teilweise“ Stillen bezeichnen sie eine Säuglingsernährung, in der die Säuglinge zusätzlich zur Muttermilch Flaschenmilch oder andere Fertigprodukte erhalten. Mit „Arztkontakt“ wird im weiteren Text der Besuch bei einem Arzt, im Krankenhaus oder in einer Klinik bezeichnet. Die Autoren werten jeden Arztkontakt als Hinweis auf einen schwereren Krankheitsverlauf.

Ergebnisse
Die Studie von Oddy et al. kam in mehreren Punkten zu signifikanten Ergebnissen:
— Wird das überwiegende Stillen bereits nach 2 Monaten aufgegeben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass innerhalb des ersten Jahres wegen einer Infektion der oberen Atemwege vier oder mehr Arztkontakte notwendig werden. Das gilt ebenso, wenn weniger als 6 Monate nur teilweise gestillt wird.

— Wenn weniger als 6 oder 8 Monate überwiegend gestillt wird, steigt signifikant das Risiko, dass Säuglinge aufgrund einer Erkrankung der tiefen Atemwege, die von Giemen begleitet wird (z. B. Bronchiolitis, Asthma), zwei Mal oder öfter einem Arzt vorgestellt werden. Es muss zudem häufiger stationär behandelt werden.

— Wird das Stillen ? in welcher Form auch immer – vor Ablauf von 12 Monaten ganz aufgegeben, steigt ebenfalls das Risiko für zwei oder mehr Arztkontakte. Nicht jedoch für stationäre Behandlung.

— Infektionen der unteren Atemwege, die nicht mit Atemgeräuschen verbunden sind, werden nicht durch die Dauer bzw. Intensität des Stillens beeinflusst.

Abgesehen vom Stillen berücksichtigen die Autoren der Studie sechs Hauptfaktoren, die die Morbidität von Säuglingen beeinflussen: Geschlecht, Geburt vor der 38. Schwangerschaftswoche, Rauchen während der Schwangerschaft, ältere Geschwister, Bildungsstand der Mutter und Alter der Mutter. Geprüft wurde auch der Einfluss weiterer potentieller Kovarianten: Geburtsgewicht, Geburtsverlauf, Anzahl der Geschwister, Besuch einer Betreuungseinrichtung (Kindergruppe/Krippe), Anzahl der Räume im Haus, Beruf des Vaters, Familieneinkommen, elterliche Vorerkrankungen an Asthma/Atopie. Tatsächlich von Bedeutung waren nur männliches Geschlecht, ältere Geschwister und Alter der Mutter (p<0,05). Auch wenn die Ergebnisse der Studie um alle diese Faktoren bereinigt wurden, blieb der dominante Einfluss des Stillens erhalten.

Diskussion
Während der Nutzen von längerem ausschließlichen Stillen in Entwicklungsländern unumstritten ist, verläuft die Diskussion in Industrieländern kontrovers. Im Vergleich mit anderen Studien zu diesem Thema erklären die Autoren ihre signifikanten Ergebnisse damit, dass sie zwischen tiefen Atemwegsinfektionen unterschieden haben, die von Giemen begleitet werden und solchen, bei denen das nicht der Fall ist. Zudem haben sie sich an den Standards orientiert, wie sie von Bauchner et al. gefordert wurden (JAMA 1986; 256: 887-92).

HTR 10.07.03



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