Nosokomiale Atemwegsinfektionen vermeiden!
Prof. Dr. J. Forster, St. Josefskrankenhaus und Universitätskinderklinik Freiburg

Wie hoch ist eigentlich der Anteil nosokomial erworbener tiefer Atemwegsinfektionen (LRTI) im Vergleich zu ambulant erworbenen? Dieser Frage ging eine multizentrische Studie von Forster et al. nach, an der von November 1999 bis Oktober 2001 insgesamt 2.932 Kinder in 5 Kliniken (Hamburg, Bochum, Dresden und 2x Freiburg) teilnahmen. Ausgewertet wurden 1.846 Kinder, die mit LRTI (Bronchiolitis, Bronchitis, Pneumonie, Laryngotracheitis) oder Apnoe eingeliefert wurden (ambulante Gruppe) mit 105 Kindern, die erst 48 Stunden nach Einlieferung in ein Krankenhaus Symptome einer LRTI oder Apnoe entwickelten (nosokomiale Gruppe). Das Nasopharyngealsekret wurde mittels PCR auf RSV, Parainfluenzavirus (PIV) und Influenzavirus (IV) untersucht. Kinder mit LRTI waren bis zu 3 Jahre alt, Kinder mit Apnoe bis zu 6 Monate.

Ergebnisse:
Anzahl nachgewiesener Errege

 
ambulante Gruppe
nosokomiale Gruppe
RSV
701
39
PIV
167
12
IV
77
2

Nosokomiale Infektionen traten weniger deutlich saisonal gehäuft auf als ambulant erworbene LRTI/Apnoe. Das Risiko einer nosokomialen Infektion betrug insgesamt 79 pro 100.000 Krankenhaustage (RSV: 29, PIV: 9, IV: 1,5). Nach Einschätzung des behandelnden Arztes verlängerte sich die stationäre Behandlung aufgrund der nosokomialen Infektion durchschnittlich um 7,3 (0-18) Tage für RSV-, um 8,6 (0-18) Tage für PIV- und um 4 (3-5) Tage für IV-bedingte Infektionen. Rund ein Drittel (30,3%) aller nosokomialer Infektionen traten während intensivmedizinischer Behandlung auf. Hier verlängerte sich der Krankenhausaufenthalt im Mittel um 2,1 Tage.

Die Anzahl nosokomial erworbener LRTI erscheint klein im Vergleich zur Anzahl ambulant erworbener Infektionen. Doch gerade die Gruppen mit dem höchsten Risiko einer RSV-Infektion (Frühgeborene und Kinder mit angeborenen Herzfehlern) tragen auch das höchste Risiko, durch diese Infektion schwer zu erkranken und unter Spätfolgen zu leiden. Interessant ist, dass das Risiko nosokomialer LRTI im Hamburger Krankenhaus mit einer Odds Ratio von 0,47 signifikant niedriger lag als in den anderen Krankenhäusern (OR: 1,22 bis 0,78).

Eine zweite Studie, durchgeführt von Posselt et al., berichtet über verstorbene Kinder in der beobachteten Gruppe. Insgesamt war die Sterblichkeitsrate mit 0,27 % gering. Von den 5 Patienten, die im Verlauf der Studie starben, wiesen alle Vorerkrankungen auf (Atemprobleme, angeborenen Herzfehler oder chronische Lungenerkrankungen), bei 3 handelte es sich zudem um Frühgeborene. Je zwei Patienten waren zuvor schon oder als Todesursache mit einer RSV-Infektionen erkrankt.

Fazit
Gerade weil Todesfälle durch Luftwegsinfektionen bei Kindern bis zu drei Jahren hauptsächlich als nosokomial erworbene Erkrankungen bei vorgeschädigten Kindern (Risikokindern) auftreten, ist Vorbeugung dringend erforderlich. Erfolg zeigt das Beispiel eines Hamburger Krankenhauses, das das großen Wert darauf legt, infizierte Kinder bei Aufnahme zu erkennen und getrennt von nicht infizierten zu versorgen. Diese Kohortierung sollte – neben den allgemein zwingend notwendigen Hygiene-Maßnahmen immer durchgeführt werden, wo Baulichkeit und Personalstärke es zulassen.

HTR 16.07.03





Rechtliche Hinweise