Orale Prednisolon-Therapie im Vorschulalter - pro und contra

Virusbedingte Atemwegsinfektionen lösen bei Kindern im Kleinkind- und Vorschulalter (1-5 Jahre) häufig obstruktive Episoden aus, die als pfeifendes Atemgeräusch hörbar werden. Sie sind bekannt als „preschool viral wheeze“ (PVW). Die zugrundeliegenden Entzündungserscheinungen unterscheiden sich jedoch von denen des allergischen Asthmas bei Schulkindern. Auch zeigen die meisten Kinder mit PVW keine Risikofaktoren für eine atopische Entwicklung und werden in der Regel im Alter von sechs Jahren beschwerdefrei.

PVW wird mit inhalativen Bronchodilatoren behandelt. Zusätzlich wird in Großbritannien [auch in Deutschland?] zur Zeit empfohlen, bei den ersten Anzeichen einer Stenoseatmung kurzfristig mit oraler Prednisolon-Therapie antientzündlich zu behandeln, um damit einer weiteren Progression vorzubeugen. Ob diese frühzeitige Steroidtherapie tatsächlich einen Vorteil bringt, wird kontrovers diskutiert.

Methode
Die Autoren nahmen 217 Kinder zwischen 1 und 5 Jahren mit nicht stationär behandlungsbedürftiger PVW in ihre randomisierte doppelblinde Kontrollstudie auf. Die im Vorfeld geschulten Eltern hatten die Aufgabe, ihren Kindern bereits zu Beginn einer obstruktiven [wheezing] Episode ein orales Steroid über eine Dauer von fünf Tagen zu geben. 109 Kinder der Verum-Gruppe erhielten entsprechend 20 mg Prednisolon täglich, 108 Kindern wurde ein Placebo verabreicht. Allen Kindern wurde bei Bedarf Salbutamol inhalativ als Bronchodilator verordnet. Zur Identifikation der Kinder mit einem erhöhten Risiko für allergisches Asthma wurden die Serum-ECP-Werte gemessen und die Kinder in zwei Gruppen (mit eosinophilem kationischem Protein >20 µg/l und <20 µg/l) eingeteilt.

Anhand einer speziellen Symptom-Skala dokumentierten die Eltern eine Woche lang einmal täglich die Atembeschwerden der Kinder in einem Symptom-Tagebuch. Sie verzeichneten sowohl die nächtlich als auch die während des Tages aufgetretenen Symptome. Ausgewertet wurde anhand einer Symptom-Skala sowie anhand der Häufigkeit des Einsatzes von Bronchodilatoren und ob zur stationären Behandlung eingewiesen wurde.

Ergebnisse
Die Symptom-Tagebücher von 120 Kindern konnten ausgewertet werden, 51 aus der Verum- und 69 aus der Placebo-Gruppe. Die Ergebnisse zeigten in einem Zeitraum von 7 Tagen keine Unterschiede in den tagsüber auftretenden Symptomen zwischen beiden Gruppen. Auch die Auswertung der nächtlichen Symptome bei 117 Kindern ergab keine Unterschiede in der Placebo- und der Verum-Gruppe. Salbutamol als Bronchodilator wurde in beiden Gruppen gleich oft eingesetzt. Überraschend war die Beobachtung, dass die Kinder der Verum-Gruppe sogar etwas häufiger stationär behandelt werden mussten als die Kinder der Placebo-Gruppe (12% versus 3%).

Diskussion
Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass bei Kindern mit PVW die kurzzeitige orale Prednisolontherapie weder die Symptomatik im Bereich der unteren Atemwege, noch die Häufigkeit des Einsatzes von Bronchodilatoren beeinflusst und auch die Anzahl stationärer Behandlungen nicht reduziert. Darüber hinaus konnte auch kein positiver Effekt einer Prednisolontherapie bei Kindern mit erhöhten ECP-Werten beobachtet werden. Damit weichen die Ergebnisse von denen früherer Studien ab. Ursache könnte allerdings eine zu kleine Stichprobe sein. Um statistisch signifikante Ergebnisse zu erzielen, empfehlen die Autoren, mindestens 800 Kinder mit erhöhten ECP-Werten in vergleichbare Studien aufzunehmen.

Unerwartet war in der Tat der Effekt, dass die mit Prednisolon behandelte Gruppe häufiger, wenn auch nicht statistisch signifikant, stationäre Behandlung benötigte. Auch andere Autoren beobachteten ähnliche Entwicklungen und vermuteten eine steroidinduzierte Verhaltensänderung bei den Kindern als Ursache. Hier empfehlen Oommen et al. für zukünftige Studien zusätzliche Parameter aufzunehmen, wie die Beurteilung von Verhaltensauffälligkeiten.

Oommen berichtet abschließend von einer Cochrane Studie, in der Kinder mit schwerer PVW in stationärer Behandlung zwar etwas früher entlassen werden konnten, aber ein Effekt der Steroidgabe weder auf die Lungenfunktion noch auf die Sauerstoffsättigung des Blutes nachgewiesen werden konnte.

Fazit
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass sicher noch weitere Studien zum Thema systemischer Steroidtherapie bei Kindern mit PVW notwendig sind, bevor man davon ausgehen kann, dass die Langzeiterfolge mögliche Behandlungsrisiken rechtfertigen.


HTR 13.11.03




Rechtliche Hinweise