Weihnachten kommt RSV

Seit Juni 1999 überwacht das Forschungsnetzwerk PID-ARI.net, welche Erreger Atemwegsinfektionen bei Kindern unter 16 Jahren auslösen (www.pid-ari.net). Unter den vielen hundert Viren und Bakterien wurden jene 19 ausgewählt, die eine große Gefahr für Kinder sind - denn nicht nur die Grippewelle rollt regelmäßig durch Deutschland. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit füllen sich in jedem Herbst und Winter die Kinderstationen der Krankenhäuser mit Säuglingen und Kleinkindern, die unter Bronchitis, Atemnot, Lungenentzündung oder anderen schweren Begleiterscheinungen einer Atemwegsinfektion leiden.

RSV kommt
Der Blick ins Reagenzglas eröffnet auch Ausblicke in die Zukunft. Zu Weihnachten ist mit einer weiteren, ernsteren Erkrankungswelle zu rechnen: RSV kommt. Die Abkürzung steht für „respiratory syncytial virus“ und bezeichnet das wichtigste Virus, das bei Kindern unter zwei Jahren die Atemwege befällt. Gerade Kinder, die sich besonders leicht eine RSV-Infektion „einfangen“, tragen auch das höchste Risiko, durch diese Infektion schwer zu erkranken und unter Spätfolgen zu leiden. Besonders gefährdet sind beispielsweise Frühgeborene und Kinder mit angeborenen Herzfehlern oder mit schweren chronischen Lungenerkrankungen. Vereinzelt kann für sie eine RSV-Infektion sogar tödlich enden.

Enorme Einsparungen im Gesundheitswesen möglich
„Seit dem Winter 1997/98 hat sich die Epidemiologie von RSV verändert“, erläutert Dr. med. Josef Weigl, Pädiatrischer Infektiologe am Campus Kiel des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und Koordinator des Forschungsnetzwerkes PID-ARI.net. „Damals kam das Virus jedes Jahr im späten Winter. Inzwischen wechselt eine späte Saison sich regelmäßig mit einer frühen ab, die Ende Septmber/Anfang Oktober beginnt. Wie stabil dieser neue Rhythmus ist, bleibt noch abzuwarten“, so Weigl.

Die Forschungsergebnisse können schon heute helfen, dem Gesundheitswesen viele tausend Euro zu sparen. Besonders gefährdeten Kindern werden vorbeugend Abwehrstoffe (Antikörper) gegen das Virus gegeben. Die so genannte RSV-Prophylaxe verhindert viel Leid, aber sie kostet 4.000 Euro pro Wintersaison. Wenn Ärzte wüssten, wann die Epidemie zu erwarten ist und wie lange sie andauert, könnte sie gezielter eingesetzt werden. Dazu Weigl: „Unsere Erfahrungen erlauben es uns inzwischen, gute Vorhersagen zu treffen. Die diesjährige RSV-Epidemie wird ab Mitte Dezember erwartet.“

Was ist PID-ARI.net?
Der Name steht für “Pediatric Infectious Diseases Network on Acute Respiratory Tract Infections”. Klinische Forschung und Grundlagenforschung werden in diesem Netzwerk miteinander verbunden. Seine Basis sind drei "Epidemiologische Rekrutierungssysteme" (ERS). In Freiburg, Kiel und Mainz werden in definierten Regionen Fälle akuter Atemwegsinfektionen bei Kindern unter 16 Jahren erfasst. Die Forschungen in Kiel begannen bereits im Jahr 1996 mit 200 bis 300 Proben, die auf neun Erreger untersucht wurden. Heute werden im Rahmen von PID-ARI.net ca. 3.000 Proben pro Jahr auf insgesamt 19 Erreger im zentralen Labor in Kiel getestet. Dafür arbeiten Universitätskliniken, Krankenhäuser, Praxen sowie der öffentliche Gesundheitsdienst zusammen. Die Ergebnisse erlauben Rückschlüsse auf die aktuelle Situation in ganz Deutschland.

Außerdem wird an jedem der drei Standorte geforscht. Unter anderem zur Infektionshäufigkeit und den Infektionswegen in der Bevölkerung, zur zellulären Immunität und möglichen Impfstoffen, zum optimalen Einsatz von Antibiotika und zu den Langzeitfolgen schwerer Atemwegsinfektionen.


Danksagung
PID-ARI.net wird bis April 2005 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung über den Projektträger DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.) gefördert.


HTR 01.12.03



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