Übertragung von SARS im Flugzeug
Einleitung
SARS erzeugt zunächst grippeartige Symptome mit Fieber, Unwohlsein und Kopfschmerzen, die dann mit anfangs trockenem Husten, Atemnot und auch Durchfall einhergehen. Insgesamt sterben etwa 10% der Erkrankten. Der Erreger ist ein Coronavirus (SARS-CoV). Die Inkubationszeit beträgt 2 – 10 Tage, im Mittel 5 Tage. Um vorbeugende Maßnahmen gegen die überregionale Verbreitung von SARS treffen zu können, ist es wichtig, das Infektionsrisiko auf Flugreisen zu kennen. [Daten der WHO]Methoden
Die Forscher ermittelten Flüge, mit denen zu Beginn des SARS-Ausbruchs die ersten SARS-Patienten aus betroffenen Regionen nach Taiwan geflogen waren. Von 3 der insgesamt 8 in Frage kommenden Flüge konnten die Wissenschaftler Flugnummer, vollständige Passagierliste und Sitzverteilung erfahren und ermittelten die Zahl der SARS-Erkrankungen bei Passagieren und Flugpersonal so genau wie möglich. Sie erhoben die Daten zum Teil, indem sie die Passagiere direkt befragten, und zum Teil durch offiziell gemeldete Fälle.Ergebnisse
Insgesamt 304 von 681 Passagieren (45%) der 3 Flüge konnten befragt werden. An Bord der Flugzeuge steckten sich 23 Personen mit SARS an und übertrugen die Krankheit an mindestens 13 andere, von denen 2 starben. Sehr wahrscheinlich haben sich die nach dem Flug erkrankten Passagiere nicht bei anderen Quellen infiziert.
Flug 1: Eine Boeing 777-300 flog am 21.2.2003 mit 315 Passagieren und Flugbegleitern in 90 min von Hongkong nach Taipeh. Ein 54-jähriger Mann in der Inkubationszeit war an Bord, er erkrankte 4 Tage nach dem Flug an SARS, das Fieber dauerte 24 Tage. An Bord dieses Fluges infizierte sich sehr wahrscheinlich niemand der übrigen Personen mit SARS.Flug 2: Eine Boeing 737-300 flog am 15.3.2003 mit 120 Personen an Bord in 3 Std. von Honkong nach Beijing. Ein 72-jähriger Mann an Bord hatte seit 4 Tagen Fieber, hustete im Flugzeug und starb in einem Krankenhaus an SARS. Mit Sicherheit erkrankten 18, wahrscheinlich aber insgesamt 22, der übrigen Personen an Bord 2 – 8 Tage nach dem Flug an SARS, 5 Personen starben. Das Ansteckungsrisiko war höher, wenn die Passagiere in der Nähe des erkrankten Passagiers saßen: 8 der 23 (35%) Passagiere in derselben Reihe und den 3 Reihen vor dem Patienten und 10 der übrigen 88 (11%) Passagiere erkrankten. Insgesamt gesehen saßen jedoch 56% der angesteckten Patienten nicht in derselben Reihe oder den 3 Reihen vor dem Patienten.
Flug 3: Eine Boeing 777-300 flog am 21.3.2003 mit 246 Personen an Bord in 90 min von Honkong nach Taipeh. An Bord waren 4 symptomatische Patienten, die alle Flug 2 genommen hatten und bei denen das Fieber 1 – 3 Tage vor Flug 3 begonnen hatte. Während des Fluges husteten 2 der Patienten. Wahrscheinlich wurde niemand an Bord mit SARS infiziert.
Fazit
Das Risiko, sich während eines Fluges bei einem SARS-Patienten in der Inkubationszeit anzustecken, scheint kaum vorhanden zu sein. Hat ein Patient bereits Symptome, besteht ein Ansteckungsrisiko, dessen Höhe auch in der symptomatischen Phase vom Stadium der Erkrankung abhängen könnte. Ebenso kann die Flugdauer sowie die Größe und Ausstattung des Flugzeuges eine Rolle spielen. Für die Infektion mit SARS-CoV kommt die Tröpfcheninfektion durch Husten in Frage, aber auch die Übertragung durch sehr feine Partikel in der Luft - wie bei Masern- und Influenzaviren - und durch kontaminierte Gegenstände. Zu berücksichtigen ist, dass die Passagiere während eines Fluges nicht ständig auf ihren Plätzen sitzen und sich in den Warteschlangen am Flughafen in anderer Konstellation als im Flugzeug begegnen.
Die genaue Risikoabschätzung ist sehr schwierig, da trotz intensiver Bemühungen nur 45% der Passagiere befragt werden konnten. Insgesamt scheint das Risiko einer SARS-Ansteckung auf Flugreisen nicht sehr hoch zu sein: Die WHO berichtete am 12.5.2003 von 35 Flügen, die unter Beobachtung standen, weil ein symptomatischer SARS-Patient an Bord gewesen war. Nur auf 4 dieser 35 Flüge wurde möglicherweise SARS übertragen. Klimaanlagen in Flugzeugen können Pathogene aus der Luft sehr effizient herausfiltern. Weitere Maßnahmen, die das Ansteckungsrisiko verringern können, sind aber auf jeden Fall gerechtfertigt.
JS/HTR