Die „Stille Epidemie“: SARS ohne Lungenentzündung
Verbreitung von subklinisch und ohne Pneumonie verlaufenden SARS-Infektionen in betroffenen Gebieten


12.03.204 JS/HTR – Das SARS-Coronavirus (SARS-CoV) ist inzwischen schon recht gut erforscht. Jetzt untersuchten Forscher aus Hong Kong und China Serumproben von Bevölkerungs-Stichproben in Hinblick auf die Frage, wie häufig das Virus in einer Bevölkerung auftritt (Seroprävalenz). Sie stellten fest, dass auch subklinische SARS-Infektionen auftreten können sowie SARS-Infektionen ohne Pneumonie. Vielleicht ist damit die Erklärung gefunden, warum manche SARS-Fälle scheinbar ohne jeden Kontakt zu anderen Erkrankten aufgetreten sind (Woo et al.,2004, Lancet 363:841)

Das Genom des SARS-CoV konnte bereits sequenziert und eine südostasiatische Schleichkatzenart (Paguma larvata, Larvenroller) als mögliches tierisches Reservoir identifiziert werden. Bisher fehlten aber Seroprävalenz-Studien sowie Massenuntersuchungen über das Vorkommen subklinischer Infektionen und von Erkrankungen ohne Pneumonie.

Methoden
Die Forscher klonierten und reinigten das Nukleokapsid-Protein und einen Teil des Spike-Proteins (Spike-Polypeptid) des SARS-CoV und bestätigten mit Western-Blots mit Serum von 3 SARS-Pneumonie-Patienten, dass die beiden Proteine immunogen sind. Daraufhin entwickelten sie einen ELISA-Test (engl. enzyme-linked immuno sorbent assay) zur IgG-Detektion mit einem rekombinanten Nukleokapsid-Protein und ermittelten die Spezifität und Sensitivität des Testes. Als Negativkontrollen diente Serum von 149 gesunden Blutspendern, die drei Jahre zuvor Blut gespendet hatten, als Positivkontrollen verwendeten die Forscher Serum von 106 Patienten, an einer SARS-CoV-Pneumonie gelitten hatten und bei denen Antikörper gegen das Virus mit indirektem Immunofluoreszensassay nachgewiesen waren. Im ELISA-Test positive Proben wurden nochmals mit dem ELISA-Test und mit zwei Western-Blots gegen die beiden rekombinanten Proteine überprüft.
Die Seroprävalenz wurde mit dem ELISA-Test an 400 gesunden Personen, die während der SARS-Epidemie von März bis Mai 2003 Blut spendeten, stellvertretend für die allgemeine Bevölkerung untersucht, weiterhin an 131 pädiatrischen und 264 erwachsenen Krankenhaus-Patienten ohne Pneumonie (Alter unter bzw. mindestens 18 Jahre) sowie an symptomfreiem medizinischen Personal (33 Personen). Positive Proben wurden auch hier mit den zwei separaten Western-Blots gegen das rekombinante Nukleokapsid-Protein und das rekombinante Spike-Polypeptid überprüft.

Ergebnisse
Der ELISA-Test zeigte 7 falsch-positive Proben bei den 149 Negativproben an und detektierte 100 von 106 Antikörper-positiven Proben. Nach Angabe der Autoren war er spezifischer, sensitiver und auch leichter standardisierbar als die bisher verwendeten indirekten Immunofluoreszensassays und ELISA-Tests in Zellkulturen.
IgG-Antikörper gegen SARS-CoV wiesen die Sera von 3 (0,8%) der 400 während der Epidemie gesunden Blutspendern und von 1 (0,8%) der 131 pädiatrischen Patienten ohne Pneumonie auf, das sind 0,48% der untersuchten Bevölkerungs-Stichprobe, die mit den beiden Western-Blots bestätigt werden konnten. Der ELISA-Test selbst zeigte mehr positive Ergebnisse: Bei 16 (4%) der 400 gesunden Blutspender, 8 (6,1%) der 131 pädiatrischen Krankenhaus-Patienten ohne Pneumonie, 8 (3%) der 264 erwachsenen Krankenhauspatienten ohne Pneumonie und 1 (3%) der 33 Personen an medizinischem Personal.

Fazit
Anscheinend treten auch SARS-CoV-Infektionen auf, die subklinisch oder ohne Pneumonie verlaufen. Diese Infektionen könnten in betroffenen Gebieten häufiger sein als die mit Pneumonie verlaufenden Fälle, da der Anteil der SARS-CoV-Infektionen, die ohne Pneumonie verlaufen, in der untersuchten Bevölkerungsstichprobe 0,48% betrug, der Anteil der an SARS-Pneumonie erkrankten Bevölkerung von Hong Kong hingegen 0,025% (1.728 Patienten bei einer Einwohnerzahl von ca. 7 Millionen Menschen). Das könnte Fälle von SARS-CoV-Pneumonie erklären, bei denen die Patienten keinen offensichtlichen Kontakt mit anderen SARS-Patienten gehabt hatten.
Wegen der relativ hohen falsch-positiven Rate des verwendeten ELISA-Tests müssen die positiven Ergebnisse noch einmal mit einem Test gegen ein immunologisch nicht verwandtes Protein, also das Spike-Protein, überprüft werden.

 



Rechtliche Hinweise