Humanes Metapneumovirus – ein wichtiges neues Atemwegsvirus

13.04.2004 HTR. Die Ätiologie vieler, auch respiratorischer, Infektionen ist unbekannt. Gründe hierfür sind zum einen ungenügend empfindliche Testsysteme, zum anderen existieren bisher unbekannte Mikroben. Das Problem der ungenügenden Sensitivität beim Nachweis von Viren ist dank der Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR) deutlich verbessert worden. Wesentlich langsamer schließt sich die Lücke der respiratorischen Infektionen unbekannter Ursache. Seit der Erstbeschreibung des humanen Metapneumovirus (HMPV) in den Niederlanden wird in aktuellen Studien deutlich, dass das Virus häufig schwere Erkrankungen der unteren Atemwege verursacht. HMPV ist ähnlich wie das Respiratory Syncytial Virus (RSV) für viele Krankheitsfälle vor allem bei Säuglingen und kleinen Kindern verantwortlich. Die Autoren geben eine Übersicht über den aktuellen Wissensstand zum HMPV (The New England Journal of Medicine 350: 431-433, 2004)
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Mikrobiologie des HMPV
Die Metapneumoviren gehören zu den Pneumovirinae, einer Unterfamilie der Paramyxoviridae. Das zuerst entdeckte Vogel-Pneumovirus wird in vier Genotypen unterteilt. Typ C ist am nächsten verwandt mit HMPV. Metapneumoviren unterscheiden sich von echten Pneumoviren (z.B. RSV) durch zwei fehlende Nicht-Struktur-Proteine und eine etwas andere Anordnung der Gene.

HMPV ist kein neu entstandenes Virus wie SARS. Es wurde bis vor wenigen Jahren nur deshalb nicht entdeckt, weil es schwer aus klinischen Proben zu kultivieren ist.

Wie verbreitet ist HMPV?
Infektionen, besonders bei Säuglingen und Kleinkindern, scheinen etwas seltener als Infektionen mit RSV aber häufiger als Infektionen mit Parainfluenzavirus zu sein. Auf jeden Fall sind HMPV-Infektionen in dieser Altersgruppe ein sehr ernst zu nehmendes medizinisches Problem.

Welche Art von Krankheit verursacht HMPV?
Ein kausaler Zusammenhang zwischen HMPV-Infektion und bestimmten Symptomen ist nicht immer leicht nachzuweisen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ruft HMPV Bronchiolitis und Pneumonie in Säuglingen hervor und wohl auch manche Fälle von unteren Atemwegserkrankungen bei älteren Erwachsenen. Ob es eine Rolle bei Asthma-Exazerbation im Kindesalter spielt, ist bisher umstritten.

Wie verhält es sich bezüglich anderer bekannter Viren?
Die durch HMPV verursachten Krankheiten ähneln am ehesten denen durch RSV verursachten. Bei klinisch signifikanter Krankheit wurden die beiden Viren im Verhältnis 1:1 bis 1:5, je nach Studie, gefunden. HMPV tritt bei Kindern unter 2 Monaten wahrscheinlich seltener auf und verursacht insgesamt etwas weniger schwere Krankheiten wie RSV. Frequenz und Intensität von Erkrankungen bei Älteren sind bisher nur unzureichend untersucht.

Ist HMPV saisonal?
Ja, ähnlich wie RSV verursacht es Winterepidemien in von Jahr zu Jahr unterschiedlichen Ausmaßen.

Wie wird HMPV verbreitet?
Unbekannt.

Wie kann man HMPV-Infektionen vermeiden oder behandeln?
Dies ist ebenfalls unbekannt. Es ist beispielsweise noch unklar, ob es eine Kreuzimmunität für die zwei genetischen Gruppen von HMPV gibt.

Fazit
HMPV sollte als wichtiges respiratorisches Pathogen weiter erforscht werden, um mehr über seine Pathogenität und Epidemiologie zu erfahren. Dies ist die Grundlage, um Wege zur Prophylaxe und Therapie von HMPV-Infektionen zu finden.

 

 



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