HMPV und Infektionen der unteren Atemwege bei sonst gesunden Kindern

10.05.2004 HTR - RSV, Parainfluenzavirus, Adenovirus und Influenzavirus sind bekannte Verursacher akuter Infektionen der unteren Atemwege bei Säuglingen und Kindern. Bei vielen Erkrankten konnte bisher aber keine virale Ursache festgestellt werden. Nachdem 2001 das humane Metapneumovirus (HMPV) entdeckt wurde, untersuchte eine Forschergruppe der Vanderbilt University in Nashville (USA) rückwirkend Nasenspülproben, die in der Vanderbilt Vaccine Clinic über 25 Jahre gesammelt wurden. Ihr Ergebnis: HMPV verursacht einen beträchtlichen Anteil (12 %) der akuten unteren Atemwegsinfektionen (LRTI) bei sonst gesunden Säuglingen und Kindern.

Methoden
In die Studie wurden nur gesunde, reif geborene Kinder eingeschlossen, die nicht unter chronischen Krankheiten litten; mit Ausnahme von leichtem Asthma. Diese Kinder wurden in den Jahren 1976 bis 2001 seit ihrer Geburt über fünf Jahre hinweg verfolgt. Für die vorliegende Untersuchung wurden Proben dieser Kinder ausgewählt, die bei akuten Infektionen der oberen oder unteren Atemwege genommen wurden.

HMPV, RSV, Parainfluenzavirus und Influenzavirus wurden per RT-PCR identifiziert. Außerdem wurden Kulturen des HMPV angelegt.

Ergebnisse
408 von 687 Virus-Untersuchungen bei LRTI-Patienten waren damals negativ ausgefallen. Von diesen 408 Fällen waren noch 248 Proben vorhanden. Die Forschungsgruppe befand jetzt 49 davon als HMPV-positiv, was 12 % aller LRTI in dieser Kohorte entspricht.

Tab. 1: Prävalenz verschiedener Viren bei LRTI (n=687)

Virus
Prozent
 
RSV*
15
 
HMPV**
12
 
Parainfluenzavirus*
10
 
Influenzavirus*
5
 
Adenovirus*
4
 
    * Nachweis durch Kultur
    ** Nachweis durch RT-PCR

Das Durchschnittsalter für HMPV-LRTI lag bei 11,6 Monaten, 74 % der Fälle traten im ersten Lebensjahr auf. LRTI durch HMPV betraf eher Jungen als Mädchen (1,8:1). Die Hospitalisierungsrate betrug 2 %.


Tab. 2: Klinik von 49 Kindern mit HMPV-Infektion der unteren Atemwege

Symptom
Prozent
 
Bronchiolitis
59
 
Akute Otitis media
37
 
Krupp
18
 
Asthma-Exazerbation
14
 
Pneumonie
8
 
Husten
90
 
Schnupfen
88
 
Atemwegsobstruktion
52
 
Fieber
52
 
Diarrhö
17
 
Erbrechen
10
 
Konjunktivitis
4

 

HMPV-Infektionen unterschieden sich in ihrem klinischen Bild von anderen Virusinfektionen. Bronchiolitis war häufiger und Krupp weniger oft als bei Infektionen mit Parainfluenza- oder Influenzavirus. Pneumonie trat seltener auf als bei Infektionen mit RSV oder Influenzavirus. Ein Zusammenhang zwischen HMPV-Infektion und Exazerbation von Asthma wurde festgestellt.

In den HMPV-positiven Proben konnte in 6 % der Fälle eine Koinfektion mit RSV nachgewiesen werden. Koinfektionen führten nicht zu schwereren Krankheitsbildern.

In drei Fällen wurde eine Reinfektion mit genetisch unterschiedlichen HMPV beobachtet. HMPV trat saisonal vor allem zwischen Dezember und April auf (78 %) mit Peak im März. Innerhalb eines Jahres ließen sich genetisch unterschiedliche Stämme des Virus nachweisen.

22 verschiedene Genotypen des HMPV wurden gefunden, die zwei Hauptgruppen zuzuordnen sind. Die Typen unterschieden sich nicht signifikant hinsichtlich der Symptome, dem Erkrankungsalter oder der Diagnose.

Bei 261 zufällig aus 2.326 Patienten ausgewählten Fällen mit ursprünglich negativer Viruskultur wurde HMPV bei 15 % der Kinder mit oberen Atemwegs-Infektionen (URTI) nachgewiesen. Das Durchschnittsalter lag bei 19,6 Monaten, das Verhältnis von Jungen zu Mädchen bei 0,9:1. Dagegen fand sich das Virus nur in einem von 86 asymptomatischen Kindern.


Fazit
HMPV ist eine führende Ursache für Atemwegsinfektionen in den ersten Lebensjahren. Das Spektrum der Krankheit ähnelt dem des RSV.

Literatur
The New England Journal of Medicine 350: 443-450 (2004)




Rechtliche Hinweise