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Infektionen – häufigste Ursache von Krankheit von Kindern
12. Jahrestagung der DGPI, 3.-5. Juni 2004 in Mainz
Atemwegsinfektionen - Wegbereiter für Allergie und Asthma?
Prof. Dr. med. Johannes Forster
Kinderklinik St. Hedwig im St. Josefskrankenhaus, Albert-Ludwigs-Universität, FreiburgLuftwegserkrankungen sind die häufigsten Erkrankungen im Säuglings- und Kindesalter. In den letzten Jahren ist Dank moderner Untersuchungstechniken das Wissen über die Erreger (Epidemiologie) und auch über die Krankheitsprozesse (Pathophysiologie/Immunologie/Allergieentstehung) sprunghaft gewachsen.
Familien mit Allergieneigung (d.h. ein Elternteil oder beide hat eine Allergie) sind daraufhin untersucht worden, wie häufig Kinder in diesen Familien ebenfalls eine Allergie entwickeln. Je mehr Kinder zu einer Familien gehörten, umso seltener sind Allergien oder Asthma bei den jeweils jüngsten Geschwistern aufgetreten.
Weitere Untersuchungen, auch im Tiermodell, kamen zu dem Ergebnis, dass die Anzahl der leichten Luftwegsinfektionen im Kindesalter eng mit der Geschwisterzahl korreliert. Je mehr ältere Geschwister ein Kind hat, umso mehr leichte Erkältungen macht es schon im frühen Kindesalter durch. Und diese beugen Allergien und Asthma vor.
Ein Säugling und Kleinkind muss also eine hohe Zahl von Luftwegsinfektionen früh im Leben durchmachen, sie trainieren das Immunsystem und senken das Allergierisiko. Dies gilt für die große Vielzahl der Erreger von Erkältungskrankheiten.
Einzelne wenige Erreger von Luftwegserkrankungen führen jedoch zu Asthma-artigen Erscheinungen bei Säuglingen und Kleinkindern, z. B. das Respiratory Syncytial Virus (RSV). Eine RSV-Infektion im frühen Kindesalter macht bei jedem hundersten Kind eine stationäre Behandlung erforderlich. Ein Teil der Kinder leidet unter Lungenentzündung. Wenn diese Lungenentzündung in den ersten drei Lebensjahren stattfand, tritt Asthma bei diesen Kindern in den folgenden Jahren übernormal häufig auf. Erst mit 13 Jahren besteht kein Unterschied mehr zu nicht im Kleinkindesalter an RSV erkrankten Kindern. Scheinbare Ausnahmen sind die Kinder, die ab dem Kleinkindesalter ein allergisches Asthma entwickeln. Dieses beruht aber auf einer genetischen Veranlagung und bedarf einer entsprechenden allergologischen Diagnostik und Therapie. Der Krankheitserreger selber führt nicht zu einer Steigerung der Allergierate.
Gefährlich ist eine RSV-Infektion für Frühgeborene. Ihre Lunge ist noch nicht fertig ausgebildet. Die Kinder erkranken sehr leicht, auch an RS-Virus. Nur wenige der infizierten Frühgeborenen entwickeln noch eine gesunde Lunge. Bei sehr vielen bleibt lebenslang ein Lungenschaden zurück mit Asthmaneigung. Daher werden Frühgeborenen vorbeugend RSV-Antikörper gegeben. Diese Antiköper sind jedoch teuer. Damit sie punktgenau eingesetzt werden, ist das jetzige Überwachungssystem www.PID-ARI.net hilfreich.
Zusammenfassung:
· Leichte Luftwegsinfektionen („Erkältungen“) sind unvermeidlich und wirken sich sogar positiv auf das Allergierisiko aus. Vorbeugend im Sinne von Vermeidung von allergischem Asthma wirken sie aber nur, wenn im ersten Lebensjahr bis Anfang zweiten Lebensjahres viele dieser leichten Infektionen durchgemacht werden.
· Ein allgemeiner Schutz von Erregern mit schweren Schäden (z.B. RSV-Impfung) ist ein wichtiges Ziel zur Vermeidung langer Asthma-Phasen. Bereits praktiziert wird ein Schutz vorgeschädigter Patienten mit RSV-Antikörpern, um lebenslanges Asthma zu vermeidenzurück auf Archiveseite "DGPI2004"
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