Tuberkulose – ein Update zur Reisesaison

Situation weltweit
Weltweit tragen rund zwei Milliarden Menschen das Mycobacterium tuberculosis in sich, es erkranken jährlich über acht Millionen Menschen an Tuberkulose, ein Drittel davon stirbt an den Folgen der Erkrankung, obwohl es wirksame Medikamente und eine effiziente Strategie der WHO zur Behandlung und Kontrolle gibt ("DOTS" bzw. "DOTS-PLUS"). Besonders betroffen sind Entwicklungsländer, insbesondere die afrikanischen Länder südlich der Sahara, der Süden und Osten Asiens, einige lateinamerikanische Staaten und zunehmend auch die Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Dabei spielen unter anderem die schlechten Lebensbedingungen in diesen Ländern und die Infektion mit HIV, die besonders anfällig für Mykobakterien macht, eine Rolle.

Situation in Deutschland
In Deutschland wurden im Jahr 2002 insgesamt 7.684 Neuerkrankungen gemäß Referenzdefinition übermittelt. Der Trend der vergangenen zehn Jahre ist rückläufig. Bei rund einem Drittel der Erkrankten handelt es sich um ausländischer Staatsbürger, resistente Erreger werden bei ihnen häufiger beobachtet. Aktuelle Daten zur Tuberkulose in Deutschland und Europa hat das Robert Koch-Institut im Epidemiologischen Bulletin veröffentlicht.

Resistenzen besorgniserregend
Antibiotikaresistenzen bei Tuberkulose-Erregern sind weltweit verbreitet, und in einigen Regionen, darunter Osteuropa, haben sie erschreckende Ausmaße angenommen. Erläuterte Kitty Lambregts von der "STOP TB-Kampagne" der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei der Vorstellung der globalen TB-Medikamenten-Resistenzstudie der WHO im März diesen Jahres in Berlin. "Tuberkulose und resistente Erreger machen an den Grenzen nicht halt", stellt die WHO fest. Auch in Deutschland war bei der Resistenzentwicklung im Jahr 2002 eine steigende Tendenz gegenüber dem Vorjahr erkennbar. Der Anteil der isolierten Tuberkulose-Erreger mit einer Resistenz gegen mindestens eines der fünf Standardmedikamente lag bei 12,1 Prozent (2001: 10,9 Prozent). "Die Tuberkulose muss daher auch in Deutschland mit allen Mitteln verhindert und therapiert werden", betont Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts.

Impfung nicht empfohlen
Der früher in Deutschland verfügbare BCG-Impfstoff wurde wegen insgesamt unzureichender Wirksamkeit bei gleichzeitig relativ hoher Rate an Nebenwirkungsrate bei geringem Infektionsrisiko nicht mehr empfohlen. Es gibt nur noch weniger als rund 500 Fälle von Tuberkulose pro Jahr bei Kindern in Deutschland. Die Impfung macht zudem den Tuberkulose-Hauttest weitgehend nutzlos und daher hatte man sich in einer Gesamtabwägung aller Vor- und Nachteile dazu entschlossen, die Impfung nicht mehr zu empfehlen. Die Deutsche Tropenmedizinische Gesellschaft (DTG) empfiehlt analog diesen Impfstoff auch nicht zu importieren, um ihn in der Reisemedizin einzusetzen. Dies gilt auch für Kleinkinder und Säuglinge mit Langzeitaufenthalten in Gebieten mit hoher Tuberkulose-Prävalenz und engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung.

Tuberkulintests
Die Tuberkuline sind Eiweiße der Mykobakterien, die zum Nachweis einer Tuberkulose-Infektion dienen können. Sie rufen nach Applikation eine Hautreaktion hervor, wenn aufgrund einer Tuberkulose-Infektion (oder einer Tuberkulose-Schutzimpfung) zelluläre Immunität gegenüber den Tuberkulinen bei einem Patienten vorliegt. Zur Reihentestung vor dem Eintritt in Kindergarten und Schule wurden früher die Stempeltests verwendet, bei dem das Tuberkulin mit einem Stempel aufgebracht und die Reaktion der Haut beobachtet wurde. Der Stempeltest war jedoch nicht gut zu standardisieren, und die Sensitivität und Spezifität waren geringer als beim Intrakutantest nach Mendel-Mantoux. Im Jahr 2001 löste das Infektionsschutzgesetz das Bundesseuchengesetz ab, seitdem sind Reihentestungen nicht mehr vorgesehen, sondern nur im konkreten Verdachtsfall der Test nach Mendel-Mantoux. Beim Mendel-Mantoux-Test wird eine genau definierte Tuberkulinmenge intrakutan am Unterarm appliziert. Nach frühestens 72 Stunden und spätestens einer Woche wird der Durchmesser der tastbaren Verhärtung bestimmt. Weitere Informationen zur Diagnose und zum Mendel-Mantoux-Test bieten:
http://www.rki.de/INFEKT/INF_A-Z/RAT_MBL/TUBERKULOSE.PDF http://www.pneumologie.de/publikationen/Tuberkulintest%20Mendel-Mantoux.pdf
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=1388

Für Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst steht auch das „Beratungsnetzwerk Tuberkulose“ offen.

zurück auf Newsseite

Rechtliche Hinweise