Attenuierter rekombinanter SARS-Impfstoff im Tierversuch erfolgreich
Eine ganze Reihe von Arbeitsgruppen sucht weltweit nach einem Impfstoff gegen den SARS-Coronaviren (SARS-CoV). DNA-Impfstoffe, attenuierte Vaccinia-Viren, attenuierte SARS-CoV und rekombinante Adenoviren befinden sich unter anderem in der Entwicklung (1,2,3,4).
Bereits Ende des vergangenen Jahres war es Forschern aus Pittsburgh (USA) gelungen, mit einem SARS-Impfstoff bei Affen eine starke Immunantwort zu erzeugen (4). Mit Serum der immunisierten Affen ließen sich in vitro SARS-Viren neutralisieren. Die Forscher hatten Adenoviren konstruiert, die Gene für drei unterschiedliche SARS-Viren-Oberflächen-Proteine enthielten. Mit einer Kombination solcher Adenoviren impften sie sechs Rhesus-Affen. Alle sechs mit dem Erreger geimpften Affen entwickelten innerhalb von sechs Wochen Antikörper. Die Reaktion die Tiere stieg an, wenn im Abstand von 28 Tagen nach der ersten Impfung eine Zweitinjektion erfolgte.
Jetzt veröffentlichten Bukreyev et al. von den US National Institutes of Health in Bethesda eine Arbeit, in der ein intranasaler Impfstoff zum Einsatz kam, der aus einer pädiatrischen Parainfluenza-Vakzine abgeleitet wurde (5). BHPIV3 (bovine/human parainfluenzavirus type 3) ist ein attenuierter Lebendimpfstoff. Parainfluenzavirus Typ 3 wurde so umgebaut, dass es ein wichtiges protektives Antigen des SARS-Coronavirus exprimiert: das Spike-Protein. Dem Kontroll-Impfstoff wurde an derselben Stelle eine unbedeutende Gensequenz eingefügt.
Jeweils vier Affen (Grüne Meerkatzen, Cercopithecus aethiops) erhielten eine Dosis intranasalen BHPIV3/SARS-S-Impfstoffes, oder BHPIV3/Kontroll-Impfstoff. Sie infizierten acht einen Monat nach der Impfung gezielt mit SARS-Coronavirus. Im Blut der mit dem SARS-Impfstoff behandelten Affen konnten Antikörper gegen Coronaviren nachgewiesen werden. Alle acht Affen wurden einen Monat nach der Impfung gezielt mit dem SARS-Coronavirus infiziert – bei keinem Affen aus der Verumgruppe fanden sich Hinweise, dass das Virus sich im Respirationstrakt ausbreitet. In der Kontrollgruppe hingegen zeigten alle vier Affen eine Ausbreitung des Virus zwischen dem 5. und dem 8. Tag nach der Infektion.
In ihrem Begleitkommentar (6) weißt Ruth Foxwell von der University of Canberra in Australien darauf hin, dass es damit gelungen ist, SARS durch eine Impfung der Mucosa des Respirationstraktes effektiv zu verhindern. Bis zur Anwendung am Menschen seien aber noch weitere Studien notwendig.
1 Proc Natl Acad Sci U S A. 2004 Apr 27;101(17):6641-6. Epub 2004 Apr 19.
2 Immunol Lett. 2004 Apr 15;92(3):237-43
3 Acta Biochim Biophys Sin (Shanghai). 2004 Jan;36(1):37-41
4 The Lancet 2003; 362: 1895
5 The Lancet 2004; 363: 2122
6 The Lancet 2004; 363: 2102