Welche Medikamente wären im Fall einer Vogelgrippe-Pandemie geeignet?
Hintergrund:
Während einer Vogelgrippe-Epidemie vor einigen Monaten starben mehrere Menschen in Asien an einer Infektion mit aviärem H5N1-Influenzavirus. Bisher ist H5N1 der einzige Suptyp des H5-Stamms, der direkt von Vögeln auf den Menschen übergeht. Durch eine solche Übertragung ist ein Genaustausch mit menschlichen Influenzaviren möglich, durch den neue Virenstämme entstehen, die beim Menschen Pandemien auslösen können.Zuletzt wurden Ende Februar 22 Fälle von Vogelgrippe bei Menschen in Vietnam gemeldet, darunter 15 mit tödlichem Ausgang. Im Juli war es zu neuen Ausbrüchen bei Geflügel in Vietnam, China, Indonesien und Thailand gekommen. Anfang August starben in zwei verschiedenen Provinzen zwei kleine Kinder (4 Jahre und 11 Monate alt) und eine 25-jährige Frau an einer Infektion mit H5N1-Stamm.
Massnahmen:
Für den Fall einer Influenza-Pandemie sollten ausreichende Vorräte an wirksamen Medikamenten bereit stehen. Es gibt zwei Wirkstoff-Klassen, die eine hemmt das Oberflächen-Glykoprotein Neuraminidase (NA-Inhibitoren: Oseltamivir, Zanamivir), die andere blockiert den Ionenkanal M2 (M2-Inhibitoren: Amantadin, Rimantadin). Das Neuraminidase Inhibitor Susceptibility Network (NISN) veröffentlichte am 13. August im Weekly Epidemiological Record der WHO eine Stellungnahme zum Einsatz dieser Medikamente.Bisher hat man nach Angaben des NISN bei den aktuellen menschlichen Stämmen und bei H5N1 kaum Resistenzen gegen NA-Inhibitoren, aber viele gegen M2-Inhibitoren gefunden. Zur Zeit geht man deshalb davon aus, dass NA-Inhibitoren gegen einen möglichen pandemischen Stamm wirksam wären, M2-Inhibitoren aber nicht. Im Gegensatz zu M2-Inhibitoren führt außerdem die Resistenz gegen einen NA-Inhibitor nicht automatisch zur Resistenz gegen die gesamte Stoffklasse, und bisher wurde keine Übertragung von NA-Inhibitor-resistenten Stämmen von Mensch zu Mensch dokumentiert. Weiterhin reduzieren NA-Inhibitoren die Komplikationsrate, und während der Therapie mit NA-Inhibitoren bilden sich weniger Resistenzen als mit M2-Inhibitoren. Bei Kindern treten allerdings insgesamt häufiger Resistenzen während der Therapie auf als bei Erwachsenen.
Fazit:
Die Mitglieder des NISN kommen daher zu dem Schluss, dass NA-Inhibitoren die bevorzugten Medikamente zur Prophylaxe und Therapie sein sollten, die tatsächlichen auftretenden Resistenzen müssten aber weiterhin überwacht werden.
Quelle:
WHO Disease Outbreak News vom 12. und 13.8.04, Wkly Epidemiol. Rec. 2004: 79 (33), 306-308
Bitte beachten Sie auch Rechtliche Hinweise
31.08.2004 - HTR/HJS