Influenza: Produktionsausfall führt zu Impfstoffmangel in den USA
Die Firma „Chiron Corporation of California“ musste Anfang Oktober ihr Werk in Liverpool, Großbritannien, schließen, weil die britischen Behörden dem Werk die Lizenz zur Produktion der Vakzine Fluvirin für zunächst drei Monate entzogen haben. Nach einer Inspektion war der Verdacht aufgetreten, dass die 48 Millionen für die USA bereits hergestellten Impfdosen möglicherweise mit dem Bakterium Serratia marcescens kontaminiert sind. Diese Dosen können deshalb nicht verwendet werden.
Für Großbritannien sollte Chiron ebenfalls 17% (2,2 Millionen) der benötigten Impfdosen herstellen. Aber anders als die britische Regierung können die amerikanischen Behörden nicht auf andere Pharma-Unternehmen zurückgreifen, da in den USA insgesamt nur zwei Hersteller Influenza-Impfstoffe produzieren, Chiron und Aventis Pasteur. Die US-Gesundheitsbehörden bringt diese Situation in eine peinliche Lage, da der Impfstoffmangel auf eine Kampagne folgt, in der die gesamte Bevölkerung aufgerufen wurde, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Im Gegensatz dazu müssen die Behörden jetzt fordern, nur Hochrisikogruppen zu impfen, also Kleinkinder von 6-23 Monaten, Personen über 65 Jahre, schwangere Frauen, chronisch Kranke und medizinisches Personal. Einige Bundesstaaten erwägen sogar Geld- oder Gefängnisstrafen für die Impfung von Personen, die keiner Risikogruppe angehören.
Die amerikanischen Gesundheitsbehörden haben weltweit Grippe-Impfstoff-Hersteller kontaktiert und konnten schon mehrere Millionen zusätzliche Impfdosen besorgen. Zum Teil kann der Impfstoff allerdings erst im Januar geliefert werden, da die derzeitigen Kapazitäten der Hersteller ausgeschöpft sind. Auch wurden intranasale attenuierte Lebendvakzinen (Flumist) gekauft, diese können aber nur gesunden Personen zwischen 5 und 49 Jahren verabreicht werden. Weiterhin überlegen die amerikanischen Gesundheitsbehörden, halbe Impfdosen zu verabreichen und auf diese Weise die Impfstoff-Menge zu strecken.
Literatur:
BMJ 2004; 329:876.
BMJ 2004; 329:939.
BMJ 2004; 329:998.
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04.11.2004 - JS / HTR