Pädiater: RSV-Prophylaxe an Erreger anpassen!
Bei der RSV-Prophylaxe sollte vom starren November-bis-März-Schema abgewichen werden, meldet das Forschungsnetzwerk PID-ARI.net. In den vergangenen Wintern 1999 bis 2003 kamen die Injektionen nach diesem Schema in einem Viertel der Monate zum falschen Zeitpunkt und setzten damit Patienten einem unnötigen Risiko aus. In diesem Winter begann die RSV-Saison bereits im Oktober, gewann aber nur langsam an Fahrt. Aktuelle RSV-Daten im Internet unter www.pid-ari.net oder als Email-Newsletter ( http://www.pid-ari.net/RL_MyWebWarn/MyWebWarn_index.htm). Starres Prophylaxe-Schema greift nicht mehr „Seit dem Winter 1997/98 hat sich die Epidemiologie von RSV verändert“, erläutert Dr. med. Josef Weigl, Pädiatrischer Infektiologe am Campus Kiel des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und Koordinator des Forschungsnetzwerkes PID-ARI.net.
„Damals kam das Virus jedes Jahr im späten Winter. Inzwischen wechselt eine späte Saison (Beginn Dezember/Januar) sich regelmäßig mit einer frühen ab, die Ende September/ Oktober beginnt. Wie stabil dieser neue Rhythmus ist, bleibt noch abzuwarten“, so Weigl. Wie Daten von PID-ARI.net zeigen, kamen vom Juli 1999 bis zum Juni 2003 mit dem starren November-März-Schema ein Viertel der Injektionen zum falschen Zeitpunkt. In zwei Jahren waren sie überflüssig, da noch kein Virus kursierte, in einem Jahr kamen sie um einen Monat zu spät und in zwei Jahren endete sie jeweils um zwei Monate zu früh. Das heißt, die Kinder blieben ohne Schutz. Die Surveillance durch PID-ARI.net ermöglicht jetzt, sie zielgenauer einzusetzen.
Hintergrund Risikogruppen brauchen Schutz Gerade Kinder mit dem höchsten Ansteckungsrisiko tragen auch das höchste Risiko, durch eine Infektion mit Respiratory Syncytial Virus (RSV) schwer zu erkranken. Besonders gefährdet sind beispielsweise Kinder mit schweren chronischen Lungenerkrankungen (bronchopulmonaler Dysplasie), angeborenen Herzfehlern oder auch Frühgeborene. Die Kombination dieser Risikofaktoren addieren sich für die Wahrscheinlichkeit einer stationären Aufnahme. Vereinzelt kann eine RSV-Infektion sogar tödlich enden. Diesen besonders gefährdeten Kindern werden vorbeugend RSV-Immunglobuline verabreicht. Insgesamt fünf Injektionen jeweils im Abstand von einem Monat sollen sie von November bis März schützen. Die Prophylaxe verhindert viel Leid, aber sie kostet auch viel: 4.000 Euro pro Wintersaison. Expertengruppen in Österreich und Kanada arbeiten gerade daran, Risikofaktoren zu quantifizieren, um die Prophylaxe gezielter einsetzen zu können. Neben individuellen Risiken wie einer Grundkrankheit beeinflussen auch die Familiengröße, die Anzahl der Geschwister, die Gemeinschaftseinrichtungen besuchen, und andere Faktoren das Risiko einer RSV-bedingten Krankenhauseinweisung. RSV - wichtigster Erreger viraler Atemwegserkrankungen bei Kindern Ähnlich der Grippewelle zieht jedes Jahr eine Welle von Infektionen mit dem „Respiratory Syncytial Virus“ (RSV) durch Deutschland. Es braucht dazu nur rund zwei Wochen und kursiert dann für etwa fünf Monate. RSV ist der wichtigste Erreger viraler Atemwegserkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern. RSV schafft es, gerade die Jüngsten schwer krank zu machen (medianes Alter 5 Monate).
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