Influenza- und RSV-Schnelltests zu ungenau
13.04.2005 HTR - „Antibiotika - ja oder nein?“, lautet die Gretchenfrage bei tiefen Atemwegsinfektionen. Schnelltests sollen die therapeutische Entscheidung des Arztes unterstützen – aber wie gut sind sie? Die Qualität eines Enzymimmunoassays (EIAs) für Influenza A und B sowie eines EIA für RSV haben Wissenschaftler des Forschungsnetzwerkes PID-ARI.net (www.pid-ari.net) getestet. Das Ergebnis war ernüchternd: „In der Influenza-Saison können Ärzte eine Virusgrippe rein klinisch treffgenauer diagnostizieren als mit dem untersuchten Schnelltest. Außerhalb der Saison ist sein positiver Vorhersagewert zu gering“, kommentierte Dr. Britta Gröndahl von der Universitätskinderklinik Mainz die Studie. „Auch der untersuchte RSV-Test ist außerhalb der Saison ungeeignet und insbesondere in der kritischen Übergangszeit zu ungenau.“
Methoden
In einer prospektiven Studie wurden insgesamt 635 Proben von Nasopharyngealsekret untersucht. Alle Proben stammten von Kinder zwischen 0 und 16 Jahren (Median: 2,25 Jahre), die wegen akuter Infektion der unteren Atemwege in die Kinderklinik der Universität Mainz eingeliefert wurden. Alle Proben wurden mit einem multiplex Reverse Transkriptase PCR-ELISA, der für PID-ARI.net entwickelt wurde, auf 19 nicht-residuale Erreger untersucht. Der validierte Test weist RS-Viren und Influenza-Viren mit gleicher Sensitivität und Spezifität nach und diente als Vergleichsstandard.Vom 1. Januar bis zum 30. Juni 2003 wurden 299 Proben auf Influenza getestet - sowohl mittels Schnelltest (Directigen Flu A+B EIA, Becton Dickinson, Heidelberg) als auch mittels m-RT PCR ELISA. Vom 1. Juli 2002 bis zum 30. Juni 2003 wurden 481 Proben auf RSV untersucht. Als Schnelltest wurde der Abbott TestPack RSV EIA von Abbott Laboritories, Wiesbaden eingesetzt.
Ergebnisse
Directigen Flu A+B EIA zeigte für Influenza-A-Viren eine Sensitivität von 29,3%, eine Spezifität von 99,2% und einen positive Vorhersagewert (PPV) von 85,7% sowie für Influenza-B-Viren jeweils 10% bzw. 99,6% und einen PPV von 66,7%. Abbott TestPack RSV EIA zeigte eine Sensitivität von 77,4%, eine Spezifität von 97,9% sowie einen PPV von 84,2% für RS-Viren.Kommentar
„Zumindest die Ergebnisse des RSV-Schnelltests sehen zunächst noch recht verlässlich aus“, so Gröndahl, „dennoch sind sie mit Vorsicht zu bewerten. Außerhalb einer Erkrankungswelle werden die Ergebnisse fragwürdig.“ Die Wissenschaftlerin empfiehlt deshalb, außerhalb der Erkältungszeit präzisere Nachweismethoden wie die PCR einzusetzen.Aktuelle epidemiologische Daten zu den 19 wichtigsten Erregern von Atemwegsinfektionen siehe www.pid-ari.net. Die Studie ist zur Publikation eingereicht.