Intrakutane Influenza-Impfung – ein Ausweg in Zeiten der Impfstoffknappheit?

JS/HTR – Ein Mangel an Influenzaimpfstoff wie jetzt in den USA kann plötzlich auftreten, besonders auch im Fall einer Pandemie. Die intrakutane anstelle der intramuskulären Influenzaimpfung könnte eine Strategie sein, um die verfügbare Impfstoffmenge zu strecken (N Engl J Med 351:2330, 2286, 2295, 2339, 2004).

In zwei offenen randomisierten Studien wurde die Immunogenität intramuskulär verabreichten Influenza-Impfstoffs verglichen mit der Immunogenität intrakutan mit reduzierter Dosis verabreichten Impfstoffs.

Kenney et al. führten eine Studie mit 100 Probanden im Alter von 18 – 40 Jahren durch. Eine Hälfte der Versuchspersonen erhielten intramuskulär 0,5 ml trivalenten Influenza-Impfstoff mit 15 µg Hämagglutinin-Antigen (HA) für jeden der drei Impfstämme. Die anderen 50 Versuchspersonen erhielten intrakutan 0,1 ml des Impfstoffs mit je 3 µg HA. Jeweils an den Tagen 0, 21 und 42 nach der Impfung wurde die Antikörpermenge mittels Hämagglutinations-Hemmtest (HH) als GMT (geometric mean titre) bestimmt. Als seroprotektiv wurde ein Antikörpertiter von mindestens 1:40 angesehen. Am Tag 21 hatten sowohl in der intramuskulär als auch in der intrakutan geimpften Gruppe je nach Impfstamm 84 - 100 % der Versuchspersonen Seroprotektion erreicht, die beiden Gruppen unterschieden sich nicht signifikant.

Auch in der Studie von Belshe et al. mit zwei Mal 119 Versuchspersonen erreichten alle geimpften 18 – 60-Jährigen Seroprotektion (Titer im HH 1:40). Die intrmuskulär geimpfte Gruppe erhielt 0,5 ml mit je 15µg HA pro Impfstamm, die intrakutan geimpfte Gruppe 0,1 ml mit je 6 µg HA. Bei Probanden über 60 Jahre schien die intramuskuläre Applikation besser zu wirken. Relevant war dies jedoch nur für den Stamm H3N2, hier betrug die Seroprotektionsrate bei intrakutaner Applikation 93%. Gegen alle anderen Stämme wurde in allen Gruppen eine Seroprotektionsrate von 100% erreicht.

In beiden Studien traten in allen Altersgruppen bei intrakutaner Impfung häufiger vorübergehende lokale Entzündungen auf als bei intramuskulärer Impfung.

Fazit

Bei gesunden Erwachsenen von 18 - 40 Jahren bzw. 18 – 60 Jahren erzeugte eine intrakutane Influenzaimpfung mit einem bzw. zwei Fünfteln der Standard-Dosis eine ähnliche Antikörperbildung wie die intramuskuläre Impfung.

Die Autoren fassen zusammen, dass weitere Studien notwendig sind, bevor die Ergebnisse verallgemeinert und diese Art der Impfung empfohlen werden kann. Sie halten die intrakutane Influenzaimpfung für eine Option zur Impfstoffstreckung für saisonale und pandemische Vakzinen, die mit Standard-Tuberkulin-Spritzen und –Nadeln sowie Multidose-Ampullen durchgeführt werden könnten.



Rechtliche Hinweise