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Neuer Erreger von Atemwegserkrankungen bei Kindern entdeckt: Humanes Bocavirus05.10.2005 JS/HTR – Das Genom eines bisher unbekannten menschlichen Parvovirus wiesen schwedische Forscher jetzt im Nasopharyngealsekret von Kindern nach. Das Virus infiziert wahrscheinlich den unteren Respirationstrakt und wurde vorläufig Humanes Bocavirus (HBoV) genannt (PNAS 102: 12891-96, 2005 (Early Edition vom 23.8.2005), Eurosurveillance Wkly 10 (34), 25.8.2005).
Das Aufspüren noch unbekannter Viren ist schwierig, zumal nicht alle Viren in vitro kultiviert werden können. Forscher am Karolinska-Institut in Stockholm entdeckten die DNA eines bislang noch unbekannten Parvovirus. Ihre neu entwickelte Methode ermöglicht nach Ansicht der Autoren in großem Umfang das Screening klinischer Proben auf noch unbekannte Viren. Die Methode basiert darauf, zunächst kontaminierende Wirts-DNA zu entfernen, virale DNA oder RNA in den Proben werden mittels PCR zufällig vervielfältigt (engl. „random PCR“), es folgen Gen-Sequenzierung und Bioinformatik.
In einer Mischung aus zunächst zufällig miteinander vereinigten Proben von Nasopharyngealsekret fanden die Forscher unbekannte Parvovirus-ähnliche Nukleotid-Sequenzen. Die daraus abgeleiteten Aminosäure-Sequenzen ähnelten dem Bovinen Parvovirus (BPV) und dem „Minute-Virus of Canines“ (MVC). Auch die Genom-Organisation des neuen Virus war analog zu der von BPV und MVC. Diese beiden Viren werden zur Gattung Bocavirus zusammengefasst. Deshalb wurde das neue Virus vorläufig Humanes Bocavirus (HBoV) genannt. BPV und MVC führen bei Rindern bzw. Hunden zu gastrointestinalen Erkrankungen. Das einzige bisher bekannte humanpathogene Parvovirus ist das Parvovirus B 19 (Erythrovirus), der Erreger der Ringelröteln.
Mit einer diagnostischen PCR-Methode zum HBoV-Nachweis wurde eine retrospektive klinische Studie durchgeführt. In einer ersten Teilstudie wurde HBoV-DNA ausschließlich in Nasopharygealsekret von Kindern nachgewiesen. Deshalb wurden im zweiten Schritt alle 540 im Karolinska-Institut verfügbaren Nasopharynx-Aspirat-Proben von Kindern, die mit einer Infektion des unteren Respirationstraktes zwischen November 2003 und Oktober 2004 ins Krankenhaus kamen, getestet. Bei 282 der 540 erneut untersuchten Krankheitsfälle konnte zuvor kein Erreger nachgewiesen werden. HBoV-DNA wurde in 17 (3,1%) der 540 Proben entdeckt. In 14 dieser 17 Proben war kein anderes Virus nachweisbar, in 3 wurde jeweils noch ein weiteres Virus gefunden (zweimal RSV, einmal Adenovirus). Da HBoV überwiegend in den Proben gefunden wurde, die im Test negativ für andere Viren waren, ist HBoV in diesen Fällen möglicherweise der Erreger der jeweiligen Atemwegserkrankung. Mit dem HBoV wäre somit ein zweites humanpathogenes Parvovirus entdeckt worden.
Die 14 Kinder, die nur mit HBoV infiziert waren, waren zwischen 5 Monaten und 4 Jahren alt, die Hälfte der Kinder war 11 bis 17 Monate alt. Sieben der Kinder hatten Asthma oder schon einmal eine obstruktive Bronchitis („wheezing bronchitis“) gehabt, zwei Kinder litten an einer chronischen Lungenerkrankungen.
Alle Kinder hatten respiratorische Symptome unterschiedlichen Ausmaßes, häufig mit Fieber einhergehend. Gastrointestinale Symptome, Konjunktivitis oder Ausschlag traten nicht auf.
Dennoch sollte in weiteren Studien, die auch Blut- und Stuhlproben mit einbeziehen, das volle humanpathogene Potential von HBoV erforscht werden.13.09.2005 JS/HTR
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