H5N1: Kann die verfügbare Menge an Tamiflu® und Impfstoff gestreckt werden?

BfArM: Tamiflu nur bei Virusgrippe-Epidemie anwenden

JS/HTR – Im Fall einer Influenza-Pandemie werden das Grippe-Medikament Tamiflu® und ein wirksamer Impfstoff knapp sein. Durch einen Trick können möglicherweise doppelt so viele Personen mit dem vorhandenen Tamiflu® behandelt werden: Gibt man Tamiflu® in Kombination mit Probenecid, das die Ausscheidung des Tamiflu® verzögert, so wird nur die halbe Dosis zur Therapie benötigt (Butler, Nature 438, 6 (2005), Hill et al., Drug Metab. Dispos. 30, 13-19 (2002)).

Die WHO empfiehlt zur Behandlung von Influenza Tamiflu® (Oseltamivir-Phosphat). Dies ist auch im Falle einer Pandemie voraussichtlich die wirksamste Therapie (s. auch PID-ARI.net News vom 31.08.04). Obwohl der einzige Hersteller Roche in den letzten zwei Jahren die Produktion gesteigert hat, reicht die Menge bisher nur für 2% der Weltbevölkerung, die WHO empfiehlt jedoch den Ländern, das Medikament für ein Viertel ihrer Bevölkerung zu bevorraten.

In einem anderen Fall von Arzneimittelknappheit war das Benzoesäure-Derivat Probenecid hilfreich: Als es im Zweiten Weltkrieg zu wenig Penicillin gab, wurde dieses Antibiotikum zusammen mit Probenecid verabreicht: Probenecid hemmt die Ausscheidung verschiedener Antibiotika und anderer Substanzen in der Niere. Mit einer geringeren Penicillin-Dosis konnte so die gleiche therapeutische Wirkung erzielt werden.

Probenecid, eigentlich ein Mittel gegen Gicht, wird laut der Fachzeitschrift Nature noch immer zusammen mit Antibiotika verabreicht, wenn ein hoher kontinuierlicher Antibiotika-Spiegel im Blut der Patienten erforderlich ist.

Wie Roche im Jahr 2002 veröffentlichte, hemmt Probenecid auch die Ausscheidung von Tamiflu®. Das Grippe-Medikament bleibt doppelt so lange in der aktiven Form im Blut wie ohne Probenecid, dadurch ist die maximale Tamiflu®-Konzentration im Blut doppelt so hoch und der Patient dem Wirkstoff 2,5 mal so lange ausgesetzt. Man könnte also evtl. auf diese Weise die Dosis von Tamiflu® halbieren. Roche verfolgte laut Nature diesen Ansatz jedoch bisher nicht weiter und hält die Daten für nicht ausreichend gesichert, um die Arznei-Kombination schon anzuwenden, weil klinische Daten und eine Zulassung fehlen. Mehrere in Nature zitierte Ärzte gehen hingegen davon aus, dass für die Anwendung des Probenecid zusammen mit Antibiotika genügend Daten vorliegen und diese auf die Kombination mit Tamiflu® übertragen werden können. Die WHO und die US „Food and Drug Administration“ äußerten sich bisher nicht.

Die Kombination von Tamiflu® und Probenecid würde eine Pandemie nicht verhindern, könnte aber ein wichtiger Beitrag zur schnellen Behandlung möglichst vieler Menschen sein.

Stellungnahme des BfArM wegen Sicherheit

Berichte über Suizide und andere neuropsychiatrische Komplikationen im Zusammenhang mit der Einnahme von Oseltamivir (Tamiflu®) hatten weltweite Verunsicherung ausgelöst. Zu einer Neubewertung der Sicherheit von Tamiflu® bei Kindern und Jugendlichen kommt es jedoch nicht. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte stellte unter anderem fest: „In den Untersuchungen zur Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Tamiflu® vor der Marktzulassung sind gravierende Risiken nicht auffällig geworden. Berichte über Suizide liegen weder aus der EU noch aus den USA vor.“

Die Behörde betonte allerdings auch, dass Tamiflu® zur Behandlung von Beschwerden einer Infektion mit Influenza-Viren bei Erwachsen und Kindern ab einem Jahr sowie zur Prophylaxe einer Influenza-Infektion nach Kontakt mit einer sicher an einer Influenza erkrankten Person zugelassen ist. Daher solle Tamiflu® nur angewendet werden, wenn eine Virusgrippe-Epidemie besteht.

Stellungnahme des BfArM: http://www.bfarm.de/de/Arzneimittel/am_aktuell/index.php?more=tamiflu.php

Mitteilung der Europäischen Arzneimittelagentur EMEA in London:http://www.emea.eu.int/pdfs/general/direct/pr/38501305en.pdf

 



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