Wirkt Hustensaft durch Placebo-Effekt?
JS/HTR 12.05.06 – Möglicherweise wirkt Medizin gegen erkältungsbedingten Husten hauptsächlich durch einen Placebo-Effekt. Der süße Geschmack der meisten nicht verschreibungspflichtigen Mittel gegen Husten könnte zu der hustenstillenden (antitussiven) und der schleimlösenden auswurffördernden (expektorierenden) Wirkung beitragen. Allerdings scheinen auch andere Inhaltsstoffe einen Placebo-Effekt auslösen zu können (Respir. Physiol. Neurobiol.), advanced online vom 2.12.2005, www.sciencedirect.com/science/journal/15048, doi: 10.1016/j.resp.2005.10.004, Dobson, BMJ 332, 8 (2006)).
Der positive Effekt der Medizin gegen Husten im Zusammenhang mit einer Erkrankung der oberen Atemwege geht anscheinend eher auf einen Placebo-Effekt zurück als auf einen Wirkstoff, erläuterte Ron Eccles, Leiter des Erkältungs-Zentrums der Universität Cardiff, gegenüber dem British Medical Journal. Fast alle der in Großbritannien erhältlichen frei verkäuflichen Mittel gegen Husten werden als süßer Sirup angeboten und nicht als Kapseln oder Tabletten. Der süße oder auch bittere Geschmack kann die Speichelbildung und Schleimabsonderung fördern.
Ein antitussiver Placebo-Effekt wird aber anscheinend nicht nur durch süßen Geschmack ausgelöst. So wirkte zum Beispiel eine Placebo-Behandlung mit einer Vitamin-E-Kapsel auf trockenen oder nur wenig produktiven Husten ebenfalls antitussiv, ergab eine britische Studie (Lee et al., Psychosom. Med. 67, 314 (2005)). Die Vitamin E-Kapsel wurde mit einem Glas Wasser eingenommen, im Vergleich zum Trinken von lediglich einem Glas Wasser. Die Forscher vermuten, dass dieser Placebo-Effekt mit der Bildung von zentralen Neurotransmittern wie endogenen Opioiden zusammenhängen könnte. Das Opioid Codein zum Beispiel ist ein Antitussivum und ist in Medikamenten gegen Reizhusten enthalten.